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Regionale und lokale Entwicklungen in Albanien - ausgewählte Beispiele / Dhimitër Doka
Entstehung
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Ihre Versuche, sich in dieser problematischen Situation auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren, sind sehr schwierig. Die meisten versu­chen zumindest eine kurzfristige Arbeit zu bekommen, vor allem im Bausektor, im Handel und im Dienstleistungssektor. Der offene Arbeitsmarkt in Tirana, auf dem jeden Tag Arbeitgeber und Arbeit­nehmer sich treffen und die tägliche Lohnarbeit vereinbaren, bezeugt diese schwierige Situation(vgl. HELLER, DOKA, KokA 2003);

die fehlende Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist auch eines von vielen größeren sozialen Problemen der albanischen Gesellschaft. Nach Auskunft der Mehrheit unserer Befragten sehen viele, insbe­sondere viele junge Leute, ihre Perspektive nicht in ihrem Wohnort. Während die Bevölkerung der Peripherie diese in Tirana, Durres und in den an diese Städte grenzenden Gebieten sieht, wollen viele Bewohner Tiranas ins Ausland emigrieren. Besonders hoffnungslos ist die frisch ausgebildete Generation. Nach dem Studium findet sie kaum Arbeitsmöglichkeiten und versucht deswegen zu emigrieren. Viele der jungen gut qualifizierten Leute gehen in die USA und nach Kanada, was für Albanien einen immensen Verlust an Human­kapital bedeutet.

3.2.3.2(Zu Migrationsprozessen

Die massive Abwanderung vom Lande nach der Wende 1990/91 ist der wichtigste Faktor für die sozioökonomische Transformation sowohl für das Land allgemein als auch besonders für die Hauptstadtregion. Wie schon erwähnt, ist diese Region die wichtigste Zuwanderungs­region Albaniens. Während man in den peripheren Regionen die Zuwanderungsmöglichkeiten in der Hauptstadtregion weitgehend posi­tiv beurteilt und als notwendiges Phänomen ansieht, spricht man in der Hauptstadtregion selbst auch über viele Nachteile und Probleme. Denn seit 1990 ist die Migration in die Hauptstadtregion ein chaoti­sches Phänomen, das vor allem Probleme der Raumplanung und Flächennutzung in den suburbanen Zonen nach sich zieht.

Die Migration kam für Albanien nicht überraschend. Sie ist zurück­zuführen auf Faktoren wie die lange Isolation des Landes, die großen Entwicklungsunterschiede zwischen Hauptstadtregion und peripheren Regionen und den hohen Anteil der ländlichen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung(über 60%). Die daraus resultierende Abwande­rung aus den Berg- und peripheren Regionen und die Zuwanderung vor allem in die Hauptstadtregion zeigen sowohl positive wie negative Effekte. Einerseits besitzen die Menschen endlich die Freiheit der Wahl ihres Wohnortes, andererseits führt dies zu einer ungeordneten

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