Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1903) Goethe ; Theil 2
Entstehung
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Das Körperliche.

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der Augen, Breite und Form des Mundes sind die­selben. Will man die Aehnlichkeit erkennen, so lege man beide Masken neben einander und umhülle jede so mit einem Tuche, dass nur das eigentliche Gesicht sichtbar bleibt. Allerdings findet man kleine Unter­schiede im Gesichte. Dieses ist bei Schadow ein wenig magerer, denn das dicke Unterkinn fehlt und die Partie zwischen Nase und Ohr ist etwas flacher. Da Goethe bei Gall 58, bei Schadow 67 Jahre alt ist, ist nichts dagegen zu sagen. Ferner ist bei Schadow die Nase ein wenig länger. Mit dem Lineal gemessen ist sie 6 cm lang(bei Gall 5,7), mit dem Bande von der Stirn und Nase trennenden Querfalte bis zur Ober­lippe giebt es bei Schadow 8,4 cm, bei Gall 8. Auch dieser Unterschied ist nicht wichtig und kann wohl durch Technisches erklärt werden. Der Mund steht bei Schadow weniger schief und beide Kinnhälften sind weniger verschieden. Im Allgemeinen aber ist die Skoliose des Gesichts auch bei Schadow sehr deutlich. Nun kommt aber das Schlimme. Die Stirn ist nicht nur bei Schadow weniger fein gegliedert, sondern viel höher als bei Gall. Vergleicht man die beiden Profil­linien, so sieht man den Unterschied ohne Weiteres, Ich habe schon in meinem Bucheüber Kunst und Künstler(S. 280 ff.) über den unerklärlichen Unter­schied der beiden Masken gesprochen. Ich hoffte, von besser Unterrichteten aufgeklärt zu werden, aber der Zwiespalt, der mich aufregt, scheint den Anderen gleichgiltig zu sein, denn kein Mensch hat ein Wort darüber gesagt. Zwei echte Masken müssen doch die

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