Freundschaft.
Freundschaft, Attachement. Dass es einen ursprünglichen Trieb zur Freundschaft im eigentlichen Sinne gebe, das kann ich nicht recht glauben, aber der Grad des Bedürfnisses nach Attachement, das Verlangen nach dem Zusammensein und der Intimität mit anderen Menschen ist in der That ein Charakterzug, der dem einen Menschen zukommt, dem anderen nicht. In gewissem Grade haben alle jungen Menschen dieses Freundschaftbedürfniss, aber so stark wie Goethe doch nicht oft. Bei allem, was er thut, denkt er an einen intimen Kreis, für„die Freunde“ allein arbeitet und dichtet er, denn das Publicum ist„eine Heerd Schwein“.„Liebt mich“ ist eine Schlussformel der Jugendbriefe. Auch später war Goethe einer der geselligsten Menschen. Immer findet er Zeit zu geselligem Beisammensein, zu Gesprächen und Briefen. Manchmal möchte man seine Freude an der Geselligkeit geradezu als weiblichen Zug bezeichnen. Im Alter spricht er oft von seiner Einsamkeit, und sieht man dann im Tagebuch nach, so sind eine Menge Menschen dagewesen. Er spricht stundenlang ohne jede Ermüdung, ja ganze Nachmittage kann er verplaudern.
Vor allem suchte er im Gespräche Belehrung, und mündliche Förderung war ihm lieber als Bücherbelehrung.„Seht liebe Kinder, sagte er am 6. März 1818 zu v. Müller und Julie von Egloffstein, was wäre ich denn, wenn ich nicht immer mit klugen Leuten umgegangen wäre und von ihnen gelernt hätte? Nichts aus Büchern, sondern durch lebendigen Ideentausch, durch
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