Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1903) Goethe ; Theil 2
Entstehung
Seite
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Das Geistige.

konnte er sich selbst, wie die Xenien und die Kritik Newtons zeigen, in negativer Kritik auszeichnen.

Neben dem angreifenden Muthe, der die Gefahr aufsucht, steht der erduldende, wenn man will die Tapferkeit, d. h. das Bestehen der Gefahr. Goethe hat wiederholt Gelegenheit gehabt, sich als tapfer zu zeigen, z. B. im Seesturm, im Kugelregen. Er konnte sich im Kugelregen ruhig beobachten, und seine Schilderung ist, soviel wie ich weiss, die einzige dieser merkwür­digen Empfindungen.

Der sogenannte moralische Muth hat mit dem echten Muthe keine nähere Beziehung; er gehört theils zum Stolze, theils zum Individualismus.

Thätigkeit. Was Gall Zerstörungstrieb(Würge­sinn, Instinct carnassier) nannte, haben die Späteren als Trieb zur Thätigkeit bezeichnet. Auf jeden Fall ist die Art, wie er handelt, für den Menschen charakteristisch. Zweierlei ist hier zu besprechen: der Thatendrang und die Heftigkeit Goethes. Seine unsägliche Thätigkeit, seine Unermüdlichkeit, der gänzliche Mangel an Faul­heit, die Unfähigkeit zum dolce far niente, darüber er­staunt der Beobachter Goethes immer von neuem. Von der Kindheit bis zum Tode ist er eigentlich nie müssig gewesen, ja mit jedem Jahre scheint der Eifer zu wachsen; je kostbarer die Zeit wird, um so mehr nutzt er sie aus. Man könnte glauben, diese Fülle der Thätigkeit sei dasselbe, wie der starke Lebenstrieb. Es ist aber nicht so. Manche Menschen entwickeln eine ausserordentliche Thatkraft, aber der Lebenstrieb ist nicht stark. So war z. B. Byron. Solche, die