Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1903) Goethe ; Theil 2
Entstehung
Seite
49
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Heftigkeit. Maasslosigkeit.

lebenshungrig, aber faul sind, kommen natürlich noch viel häufiger vor. Goethe selbst schildert sich sehr gut. So schreibt er am 3. Dec. 1781 an Knebel:Das Bedürfniss meiner Natur zwingt mich zu einer ver­manichfaltigten Thätigkeit, und ich würde in dem ge­ringsten Dorfe und auf einer wüsten Insel eben so betriebsam seyn müssen um nur zu leben.

Die Heftigkeit scheint zwar mit der Arbeitsam­keit nicht direct zusammenzuhängen, sie ist aber auch ein Modus des Handelns, und ich bespreche sie hier, weil ich sie sonst nicht unterzubringen weiss. Eins der ersten Bekenntnisse Goethes lautet:Einer meiner Haupt ‚Mängel ist, dass ich etwas heftig bin. Die Leidenschaftlichkeit Goethes ist so vielfach bezeugt, dass ich hier von Weiterem absehen kann. Es gelang ihm bekanntlich in der Regel, sich zu beherrschen, aber auch im Alter brach die Heftigkeit noch manch­mal durch. Man muss darunter nicht bloss Aerger und Zorn verstehen, sondern das Ueberwältigtwerden durch Eindrücke, das leidenschaftliche Ergriffensein, mag es sich um Abscheu, Rührung oder Freude handeln.

Nahe verwandt mit der Heftigkeit ist die Maass­losigkeit, die Neigung zum Superlativ. Goethe wendet z. B. auch den Superlativ an, wenn er von seiner Maasslosigkeit spricht:Wollte ich mich unge­hindert gehen lassen, so läge es wohl in mir, mich selbst und meine Umgebung zu Grunde zu richten. Er liess sich freilich nicht gehen, sondern arbeitete unermüdlich an sich selbst, ja er schoss wohl in sei­nem Streben nach Gemessenheit oft über das Ziel hin­

Möbius, Werke II.