Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1903) Goethe ; Theil 2
Entstehung
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Das Geistige.

aus. Später zeigt sich die Neigung zum Superlativ in harmloser Weise bei einzelnen Uebertreibungen, die den Leser verblüffen. So sagt er von Linne, er habe nach Shakespeare und Spinoza die grösste Wirkung auf ihn gehabt, was wir, trotz des imponirenden Ein­drucks von Linnes botanischer Philosophie, nicht zu glauben brauchen. So sagt er einmal, Lili allein habe er wirklich geliebt. So nennt er seinen Hausarzt Vogel einen der genialsten Menschen, die ihm vorgekommen seien.

List und Schlauheit. List und Schlauheit können bei Goethe nicht gerade gross gewesen sein, aber er ermangelte doch nicht ganz der diplomatischen Talente. Interessant ist, wie er im Briefwechsel sich Jedem anders darstellt. Auch wäre es ihm nicht gelungen,

die Menschen so zu führen und gesellschaftliche Schwierigkeiten so zu überwinden, wie er es gethan hat, wenn er es nicht verstanden hätte, mit verhaltener Klugheit zu Werke zu gehen. Doch war er im Ganzen der Lüge durchaus abgeneigt und in jüngeren Jahren bis zur Naivetät zutraulich.

Erwerbsinn. Der Erwerbsinn war recht gering. Er selbst hat stolz auf seine Uneigennützigkeit hin­gewiesen, und Alle haben ihm Recht gegeben.Einen Parvenü wie mich konnte bloss die entschiedenste Uneigennützigkeit aufrecht erhalten. Ich hatte von vielen Seiten Anmahnungen zum Gegentheil; aber ich habe meinen schriftstellerischen Erwerb und zwei Drittel meines väterlichen Vermögens hier zugesetzt und erst mit 1200 Thaler, dann mit 1800 Thaler bis