Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1903) Goethe ; Theil 2
Entstehung
Seite
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Das Geistige.

heimen Rath auf ihn wirkt:Der Wirbel der irdischen Dinge auch allerley anstossende Persönliche Gefühle griffen mich an. Später schätzte er die Ehrenbezeu­gungen, wie Adel, Titel, Orden, aber nach ihrem Werthe, d. h. als Dinge, die einem manchen Vortheil im Leben gewähren und einem über manches weghelfen. Dagegen war Goethes Stolz sehr gross, d. h. er hatte von vornherein ein deutliches Bewusstsein seines Werthes. Die Mutter erzählt von dem siebenjährigen Knaben, er habe den Beistand der Sterne verlangt und auf die Bemerkung, andere Leute müssten auch ohne die Sterne fertig werden, erwidert:Mit dem, was anderen Leuten genügt, kann ich nicht fertig werden. An die Stein schreibt er einmal, wenn man ihm eine Krone aufgesetzt hätte, wäre er gar nicht verwundert gewesen. Auch sonst spricht er oft ganz unbefangen und ohne jeden Hochmuth aus, er wisse, wer er sei. Mit diesem schönen Stolze verträgt sich sehr wohl die Bescheidenheit, die jedes Besserwissen oder Besser­können in diesem und jenem Fache freudig anerkennt, und die Nachsicht, mit der er sich von manchen Menschen, z. B. von Herdern, sehr viel gefallen liess. Stolz führt leicht zu Herrschsucht, und von dieser war wohl auch Goethe, wenigstens in den späteren Jahren, nicht ganz frei. Schon 1764, in jenem Briefe an Ysenburg v. Buri, nennt er als zweiten Fehler: Ferner bin ich sehr an das Befehlen gewohnt. Im Alter nannten ihn die weniger Wohlwollenden zu­weilen den Tyrannen von Weimar. Es wird nicht so schlimm gewesen sein, aber eine strenge Herrschaft