Das Geistige,
Güte. Dass Goethes Güte gross gewesen, darüber ist bei Verständigen nur Eine Stimme. Er war neidlos, hilfreich und gut. Die kleinen Leute liebten ihn. Man hat ihn einen Egoisten gescholten, weil er dafür gesorgt hat, dass er sein Werk vollenden konnte. Als ob es besser gewesen wäre, wenn er den Heiligen gespielt hätte, der er doch nicht sein konnte. Wenn alle Leute solche Egoisten wären wie Goethe, dann sähe die Welt erfreulicher aus!
Hass und Feindschaft waren Goethe eigentlich fremd. Er konnte zürnen, scharf verurtheilen, und seine Abneigung gegen die als schlecht Erkannten war dauerhaft. Aber auch dabei hatte er nur sachliche Motive, nie persönliche.
Etwas Merkwürdiges, schwer Fassbares ist die Eigenschaft, die wir Liebenswürdigkeit nennen. Sie muss Goethe in sehr hohem Grade besessen haben, denn er konnte die Männer ebenso wie die Weiber bezaubern. Man kann vielleicht sagen, dass Der als liebenswürdig erscheint, der den Anschein von Herzensgüte mit Grazie und Lebhaftigkeit verbindet, und Der am meisten, bei dem wirkliche Herzensgüte zu Grunde liegt.
Witz. Goethe war gern heiter, liebte Spässe, Neckereien, aber Witz im eigentlichen Sinne des Wortes hatte er wenig. Seine Scherze kommen einem etwas frostig vor, und ich kann mich keiner Stelle erinnern, die mich zum Lachen gebracht hätte. Auch scheint er wenig Sinn für das Witzige gehabt zu haben. Am 6. Juni 1824 sagte er gar zu dem Canzler, die Humoristen hätten kein Gewissen.