Das Geistige.
Sprachliche, der Andere verhält sich entgegengesetzt. Zweifellos hatte Goethe gute Anlagen für Sprachen, denn obwohl sein Unterricht etwas lückenhaft gewesen zu sein scheint, hat er sich ohne sonderliche Mühe des Französischen und des Italienischen bemächtigt, hat er Englisch, Lateinisch, Griechisch wenigstens gut verstanden.
Höchst merkwürdig ist Goethes Verhältniss zur bildenden Kunst. Man könnte es als Vorbild einer unglücklichen Liebe bezeichnen. Kein Ritter hat seiner Herrin mit heisserer Liebe, treuer und geduldiger gedient, als Goethe der Kunst. Man sollte glauben, dass einem so leidenschaftlichen und dauerhaften Verlangen auch ein Vermögen entsprechen müsste, aber es ist nicht der Fall. Die Leistungen Goethes waren bekanntlich trotz aller Mühe höchst kümmerlich, aber auch sein Kunsturtheil lässt doch recht viel zu wünschen übrig. Er zeigt sich schwankend, einseitig, von Anderen abhängig. Man lese nur aufmerksam die italienische Reise, man denke an das Lob der Meyerschen Leistungen, an die Werthschätzung Hackerts u. s. w. u. s. w. Was Schadow über die Weimarische Kunstpflege gesagt hat, dass ist leider nur allzuwahr. Während im handwerkmässigen Betriebe zu Goethes Zeit noch die gute Tradition herrschte, war in der hohen Kunst der gute Geist abhanden gekommen. Es ist, als ob die Atmosphäre der Geschmacklosigkeit, in der Goethe leben musste, verdorrend auf ursprünglich gute Anlagen gewirkt hätte. Denn Goethe brachte von Hause aus eine wunderbare optische Phan