Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1903) Goethe ; Theil 2
Entstehung
Seite
103
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Bın. Man betrachte die Aeusserung vom 20. 1.: welche Ueberspannung! Warum sollte er denn um­kommen? Die Sache macht einen krankhaften Ein­druck, auch wenn man annimmt, dass er andeuten wolle, die unbefriedigende Liebe zur Stein habe ihn unglücklich gemacht. Er schreibt allerdings am 21. 2. er habe sich übermässige Gewalt angethan, der Ge­danke, sie nicht zu besitzen, reibe und zehre ihn auf. Aber auch dieser unvermittelte Ausbruch, der zu der Haltung in den vorausgehenden Jahren nicht stimmen will, macht einen krankhaften Eindruck. Es scheint so zu sein, dass in Rom ganz allmählich die naive Ge­schlechtslust wieder erwachte, und dass er nun über sein platonisches Schmachten ergrimmte. Es ist zweifel­Jos, dass sich im Jahre 87 die Gefühle für die Stein ändern. Zum Theil mag ihr unwürdiges Verhalten schuld sein. Im December 86 hat er ihr böses Zettel­chen erhalten. Zunächst ist er ganz zerknirscht und schreibt rührende Briefe an das Weib(ich bitte dich nur fusfällig, flehentlich erleichtere mir meine Rückkehr zu dir). In seiner Naivetät ist er über ihre Wuth ganz überrascht.Seit dem Tode meiner Schwester hat mich nichts so betrübt, als die Schmerzen die ich dir durch mein Scheiden und Schweigen verursacht. Aber mit der Zeit musste er sich doch sagen, dass er sich da, wo so wenig Vertrauen, so wenig Selbst­Josigkeit war, gründlich getäuscht hatte. Diese D6s­illusion und die Belebung der Studentenader zer­störten zusammen das Gebäude der Phantasie,