Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1903) Goethe ; Theil 2
Entstehung
Seite
183
Einzelbild herunterladen

finden, machte sich den ganzen Abend vielfach be­merklich. Als ich ihn zum täglichen Spazierenfahren antrieb, sagte er: ‚Mit wem soll ich fahren ohne Lange­weile zu empfinden? Die Sta@l hat einst ganz richtig zu mir gesagt: II vous faut de la s&duction. Ja ich bin wohl und heiter heimgekehrt, drei Monate lang habe ich mich glücklich gefühlt, von einem Interesse zum andern gezogen, fast wie ein Ball hin und her geschaukelt, aber nun ruht der Ball wieder in der Ecke und ich muss mich den Winter durch in meiner Dachshöhle vergraben, und zusehen, wie ich mich durchflicke. Wie schmerzlich ist es doch, solch eines Mannes innere Zerrissenheit zu gewahren, zu sehen, wie das verlorene Gleichgewicht seiner Seele sich durch keine Wissenschaft, keine Kunst wieder herstellen lässt, ohne die gewaltigsten Kämpfe, und wie die reichsten Lebenserfahrungen, die hellste Würdigung der Weltverhältnisse ihn davor nicht schützen konnten.

Am 25. 9. beklagt sich Goethe leidenschaftlich über die Abwesenheit der Gräfin Julie, er liebe und brauche sie.Ohne allen Anlass meinerseits rief er kurz, nachdem ich eingetreten war, aus: ‚Es ist doch recht absurd, dass Julie diesen Winter nicht hier ist! Sie weiss gar nicht, wie viel sie mir entzieht und wie viel ich dadurch entbehre, so wenig, als sie weiss, wie ich sie liebe und wie oft ich mich im Geiste mit ihr beschäftige. Ihnen kann ich das wohl sagen, obgleich wir in diesem Punkt Rivals sind; denn ich traue Ihnen zu, dass Sie gleich sehr betrübt über ihre Abwesenheit