Ausführungen und Belege.
sind. Andere erfreuen mich blos durch ihre Gegenwart, durch ihre sichtliche Erscheinung, sind aber rein nichts für mich, wenn ich sie nicht vor mir sehe. Mit jenen aber kann ich mich unsichtbar unterhalten und darunter gehört Julie. Ich weiss zu gut, dass sie mir durch keine andere jemals ersetzt werden kann, und eben darum bin ich so betrübt, dass sie mir gerade diesen Winter fehlt.‘“
„Sie sehen also, dass seine Leidenschaft für Ulrike Levetzow wenigstens nicht exclusiv ist und dass ich Recht habe zu behaupten, nicht dieses einzelne Individuum, sondern das gesteigerte Bedürfniss seiner Seele überhaupt nach Mittheilung und Mitgefühl habe seinen jetzigen Gemüthszustand herbeigeführt.
Die rohe und lieblose Sinnesweise seines Sohnes und Ulrikens[v. Pogwisch] schroffe Einseitigkeit und gehaltlose Naivetät sind freilich nicht gemacht, eine solche Krisis sanft und schonend vorüberzuführen und die arme Ottilie ist seit seiner Ankunft beständig krank und für ihn so gut wie unsichtbar. Daher macht ihn der grelle Contrast gegen sein heiteres Badeleben mitunter höchst verstimmt und niedergebeugt, wo ihm denn jede äussere Anforderung peinlich wird.“
Am 2. October schlägt Goethe einen„ewigen Thee“[tägliche Abendvereinigungen] vor, erregt sich dabei, erzählt von seiner Liebe zu Ulrike Levetzow.„Je schwerer ihm die Zunge wurde, je geistreichere und humoristischere Ideen drängten sich hervor.“ Am 5. 10. fing v. Müller wieder vom„ewigen Thee“ an und fand mit Schrecken, dass Goethe fast alles vergessen