Wo ist der Herr?— Trübe Augen.— Wo ist Ottilie? — nach Dessau.*)— Wo ist Ulrike?— im Bette. Mein Traum fällt mir ein, ich erschrecke. Der Kammerrath kommt: Vater ist— nicht wohl; krank, recht krank.— Er ist todt!— Nein, nicht todt, aber sehr krank. Ich trete näher ‚und Marmorbilder stehn und sehn mich an.‘ So steig’ ich auf. Die bequemen Stufen scheinen sich zurückzuziehen. Was werde ich finden? Was finde ich? Einen der aussieht als hätte er Liebe, die ganze Liebe mit aller Qual der Jugend im Leibe. Nun wenn das ist, er soll davon kommen! Nein! er soll sie behalten, er soll glühen wie Austernkalk; aber Schmerzen soll er haben wie mein Hercules auf dem Oeta. Kein Mittel soll helfen; die Pein allein soll Stärkung und Mittel seyn. Und so geschah’s, es war geschehn! Von einem Götterkinde, frisch und schön, war das liebende Herz entbunden. Es war schwer hergegangen, doch die göttliche Frucht war da, und lebt und wird leben und ihres Geistes Namen über Zonen und Aeonen hinaustragen und wird genennet werden Liebe, ewige allmächtige Liebe.
Nachrichtlich. Zum Verständniss gewisser Gedichte aus den Jahren 1822 und 1823 ist zu wissen: wie eine leidenschaftliche Zuneigung des Dichters zu einem jungen weiblichen Wesen in Karlsbad, leidenschaftlich erwiedert, so wenig verheimlicht worden, dass man laut genug von einer ehelichen Verbindung des fünfundsiebzigjährigen Greises sprach.
*)[Nach Goethes Tagebuche ist Ottilie am 25. 11 nach Dessau gefahren.]