Goethe als Phrenolog.
wisse,„und ich von Herrn Dr. Gall abermals vernehme,“ so wünsche er Näheres zu wissen.
Wie ernst es Goethe mit Galls Lehre nahm, beweist das, dass er sich nicht scheute, öffentlich Schädel nach Galls Anleitung zu beurtheilen. Im ersten Hefte des zweiten Bandes der Aufsätze“ über Kunst und Alterthum“(Von Goethe, Stuttgard. 1818.) auf S. 189 ff. wird über die durch Ausgrabungen bei Gross-Romstedt (in der Nähe Weimars) gewonnenen Skelete berichtet. Es heisst da:„An den Schädeln fand man keine Verwundung, das Beysammenliegen von Männern, Weibern und Kindern möchte wohl eine ruhige Nomaden-Horde andeuten. Das Merkwürdigste jedoch vor allem andern ist die herrliche Gestalt dieser Knochen-Reste; die Schädel jedoch,(wir sagen es mit Einstimmung unseres Freundes Blumenbach,*) von der grössten Schönheit, Die ‚Organe, nach Gallischen Bestimmungen ausgesprochen, bezeichnen ein Volk mit den glücklichsten Sinnen für die Aussenwelt begabt, nicht weniger mit allen Eigenschaften, worauf sich Dauer und Glück der Familien und Stämme gründet. Das Organ des Enthusiasmus fehlt ganz auf der Höhe des Scheitels, dagegen vermisst man sehr gern die garstigen egoistischen Auswüchse die sich hinter den Ohren eines ausgearteten Menschengeschlechts zu verbergen pflegen.“
Am 15. Januar 1816 schrieb Goethe an v. Sack, die Vortheile des Aufenthaltes in Paris seien gross, „sodass Männer wie Humboldt und Gall, wenn sie
*) Goethe hatte die„Silhouetten“ der Schädel an Blumenbach geschickt(Briefw. mit Eichstädt, 319).