Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1903) Goethe ; Theil 2
Entstehung
Seite
246
Einzelbild herunterladen

Anmerkungen zuGoethe und Gall.

7. Berlin, b. Schöne: Beleuchtung der Gallschen Gehirn­und Schädellehre durch Vernunft und Erfahrung ge­leitet, von einem von aller Parteylichkeit freyen Beob­achter, für Ärzte und Nichtärzte. Mit 1 Kupfer. 1805. VHI u. 288 S. pr. 8.(1 Rthir. 4 gr.)

. Heidelberg, b. Mohr u. Zimmer: Die Gallsche Hirn-, Schedel- und Organenlehre, vom Gesichtspunkte der Erfahrung aus beurtheilt und widerlegt von J. F. Acker­mann, kurf. bad. geh. Hofrath, d. Anat. u. Physiol. Prof, zu Heidelberg. 1806. 13 Bog. 8.(1 Rthlr.)

Es wäre eine arge Satire auf Deutschland, wenn der Bey­fall, den Galls System hier gefunden hat, nicht von solchen Leuten gezollt worden wäre, deren Lob und Tadel in diesem Punkt durchaus gleich viel gilt. Ob ein reisender Schauspiel­dichter, ob ein pedantischer Ausrufer im Freymüthigen, ein Pagen­Studien-Direktor, ein Finanz-Sekretär, ein Doktor der Rechte, ob alle unsere eleganten Herren und Damen ein anatomisch-physio­logisches System für wahr oder falsch halten, macht nichts aus; eben so wenig ist auf die Stimme der mehresten praktischen Ärzte zu achten, welche gewöhnlich die Anatomie nicht genau studirt haben, und von denen das genaueste Studium aller Theile dieser Disciplin auch nicht zu fodern ist. Ein solches Studium, als die Beurtheilung jenes Systems voraussetzt, darf man nur von dem Lehrer der Anatomie und Physiologie erwarten, der mit Eifer seinem Fach obliegt; nur von ihm kann die Gallsche Hy­pothese in ihrem ganzen Umfange gewürdigt werden. Bisher haben erst wenige Anatomen ein Urtheil gegeben: die Vf. von No. 7 und 8, Rudolphi in seinen Reisebemerkungen, und J. G. Walter in seinem Etwas über Galls Schädellehre; alle diese Schriftsteller haben bestimmt dagegen gesprochen. Man hat Waltern die Heftigkeit vorgeworfen, womit er sich gegen Gall erklärt hat; man hat daraus den sonderbaren Schluss gezogen, dass er Unrecht habe; allein man bedachte nicht, dass W. nie sonderlich an Urbanität gewöhnt war, und dass es einem im anatomischen Studium ergrauten Mann kränkend seyn musste, in seiner Gegenwart eine Theorie mit Lob überhäuft zu sehen, deren Falschheit ihm einleuchtete. Wenn je Indignation zu ver­zeihen ist, so ist es hier, und es wird schwerlich jemand auf­