Reils Recension.
treten, der das Gegentheil von Walters mehresten Behauptungen zeigen könnte.
Das Umfassendste und Treffendste über Galls Hypothese hat Ackermann in der Schrift No. 8 geliefert, die Rec. daher als Leitfaden bey seiner Beurtheilung benutzt. Im I Abschnitt widerlegt der Vf. Galls irrige Vorstellungen vom Hirnbau, die ältere Schriften ähnlichen Inhalts noch nicht kannten, da Gall erst in neueren Zeiten auf diese Hypothese gekommen ist. Reil und Loder haben zwar erklärt, dass sie Galls Entdeckungen in der Anatomie des Gehirns bewundern; allein man wird irre, wie diess möglich war, wenn Loder zugleich sagt(in Bischofs Vorrede zu seiner Schrift über Gall, und in der Schrift No. 6 S. 173), dass er sich schäme und ärgere, seit fast dreyssig Jahren, hunderte von Gehirnen wie einen Käse(!!) zerschnitten zu haben. Wie kam ein Anatom zu einem solchen Bekenntnisse, der Vicq d’Azyr’s zwey und zwanzigste Tafel in seinen Tabellen hat nachstechen lassen? Denn jene enthält, wie Ackermann richtig bemerkt, durchaus alles, was von Galls angeblichen Entdeckungen über den Hirnbau wahr ist. Rec. geht aber noch weiter, und bittet die Herren, welche hier so viel Neues sehen, Thom. Willis cerebri anatome Cap. 13—15, und dessen Buch de anima brutorum Cap. 4 mit den dahin gehörigen Zeichnungen, nachzusehen; sie werden finden, dass alles, was Gall über den Zusammenhang der Hirntheile angegeben hat, dort sehr umständlich aus einander gesetzt worden, und dass Willis sogar die Methode, diese Theile zu präpariren, angezeigt hat. Sollte Loder nie den trefflichen Willis gelesen haben? Von einem Professor der Anatomie liesse es sich doch wohl erwarten!
Mit Recht verwirft Ackermann Galls Ansicht, als ob das Gehirn aus einer zusammengefalteten Haut bestände, die bey dem Wasserkopf entfaltet würde. Man kann die Präparation, wobey man das Gehirn, nach hinweggenommener Gefässhaut, aus einander zerrt, sehr leicht nachahmen; allein es ist nichts als ein Kunststückchen zur Spielerey, und Rec. begreift nicht, wie ein Anatom hierauf einigen Werth setzen kann. Eben so falsch ist Galls Idee von der Rindensubstanz. In ihr endet sich keineswegs das Nervenmark, sondern hier nimmt es seinen Ursprung; sie besteht fast ganz aus Gefässen, wie die Ausspritzungen gezeigt haben. Gall nennt sie eine sulzige, eine drüsenartige Sub