Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1903) Goethe ; Theil 2
Entstehung
Seite
249
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Reils Recension.

Das Rückenmark ist ja nicht früher da, und beim Foetus hat schon offenbar das Gehirn gegen dasselbe ein Übergewicht. Weiter braucht man nichts anzuführen, obgleich Ackermann noch andere gute Gründe angiebt, von der Funktion der Rückenmarks­nerven u. Ss. W.

Ganz unstreitig ist also der Satz, dass alles Wahre, das Gall vom Gehirn behauptet, den Anatomen bekannt war, und alles ihm Eigene, von den Ganglien und Nerven im Gehirn, von der allgemeinen Durchkreuzung, von der Entfaltung u. s. w. durch­aus falsch erfunden wird. Was Loder darin Bewundernswürdiges gefunden hat, weiss Rec. nicht; er bittet aber den trefflichen Sömmering, der bisher noch schwieg, seine Stimme zu geben: seine Competenz wird keiner verkennen.(Im Vorbeygehen be­merkt Rec., dass Ackermann glaubt, alle Fötus, die ohne Gehirn geboren werden, hätten vorher dasselbe gehabt; allein wenn man die Fälle vergleicht, so ist doch mancher Unterschied da, und hin und wieder scheinen die Schädelknochen durch eine ursprüngliche Monstrosität so gebildet zu seyn; die Zerstörung müsste dann zugleich beym Ausfliessen des Wassers aus dem Kopf so gross gewesen seyn, dass schwerlich dabey der Fötus hätte am Leben bleiben können. Vergl. Prochaska Annotatt. Acad. Fasc. 3 S. 185 sq. Man hat ja auch selbst Missgeburten ohne Kopf.)

Im IL Abschnitt spricht Ackermann vom Schädelbau. Hier ist auch besonders der Vf. von No. 7 zu nennen, der aus eigenen Untersuchungen viele gute Beobachtungen darüber beybringt, sowie die Darstellung der Gallschen Meinungen über diesen Punkt in No. 5 und 6 deutlich, doch freylich ohne eigene An­sichten ist. Der Hauptpunkt ist immer dem Kranioskopen die Frage, ob die beiden Tafeln der Schädelknochen, wie Gall will, so parallel laufen, dass eine äussere Vertiefung eine innere Er­habenheit, und umgekehrt, bezeichnet. Dieser Parallelismus ist aber nur höchst eingeschränkt anzunehmen, worin Rec. mit den Vin. von No. 7 und 8 einer Meinung. seyn muss. Indem sich die Muskeln, welche am Schädel sitzen oder ihren Ursprung nehmen, entwickeln, muss an allen diesen Stellen die Beschaffen­heit der äusseren Tafel verändert werden, und man findet dann keineswegs die innere mit ihr parallel. Dasselbe gilt von allen Stellen, wo Luft in die Zellen der Schädelknochen gedrungen