Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1903) Goethe ; Theil 2
Entstehung
Seite
251
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Reils Recension.

nachlässigte, dessen Vergleichung ihm über alle, oder doch die mehresten Fälle, ganz andere Aufschlüsse gegeben haben würde. Rec. kennt keine einzige Veränderung in der Substanz der Schädel­knochen, die er nicht auch bey den übrigen Knochen angetroffen hätte; er muss es daher für Thorheit halten, wenn man dabey an das Gehirn denken will.

Das Resultat ist wieder: Gall kennt den Schädelbau so wenig als den Gehirnbau, und er hat darüber nicht einen ein­zigen richtigen neuen Satz vorgetragen, wofern man ihm nicht, wie der höfliche Vf. von No. 2 das Compliment machen will, dass man sonst geglaubt habe, der Schädel sey aus Einem Knochen gebildet, und es auch wohl noch glaube, bis Gall zu­erst entdeckt, dass er aus acht Stücken bestände!! Aber auch diess ist nicht einmal ganz richtig, da bekanntlich das Keilbein und Hinterhauptbein bey Erwachsenen nur Einen Knochen aus­machen.

Die Organenlehre endlich, welche Ackermann im III Ab­schnitt widerlegt, ist eine Sammlung der absurdesten Behaup­tungen, wie gleich bewiesen werden soll. Mit ihr beschäftigen sich die ersten vier Schriften fast ausschliesslich; allein aus allen ist wenig Trost zu schöpfen. Der Vf. von No. 4 besonders hätte sich doch billig einige Kenntnisse von dem Gegenstande ver­schaffen sollen, über den er ein Handbuch zu Vorlesungen schreiben wollte, statt dass er jetzt die grössten Schnitzer macht. Der Vf. von No. 5 und 6 stellt Galls Ansichten, doch ohne Prü­fung, deutlich dar. In der Schrift No. 7 sind eine Menge äusserst schätzbarer Beobachtungen, und sie zeugt von den Kenntnissen ihres Vfs., der sich billig nennen sollte, da er so viele specielle Erfahrungen angiebt. Die Form seiner Schrift aber ist etwas abschreckend, da der Vf. aus Frorieps Darstellung der Theorie der Physiognomik von Gall, Satz für Satz wörtlich aushebt und widerlegt. Dadurch musste eine ermüdende Weitschweifigkeit entstehen.

Gall ist weder durch seine Gehirn- noch durch seine Schädel­lehre auf seine Hypothese von den sogenannten Organen des Gehirns gekommen, sondern durch die schlechteste und gemeinste Empirie. Jene beiden können verworfen werden, ohne dass diese dadurch widerlegt ist. Sie dienten indess, das Kind aufzuputzen, und konnten denjenigen anlocken und beschäftigen, der das