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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
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tritt erſt 928 n. Chr. hervor aus dem Dunkel der Vorzeit; von weiter her ſchimmern nur einzelne, wenige Strahlen, welche ſich mit Muͤhe in ein ungefähres allgemeines Bild vereinigen laſſen: es ſind bloß kurze abgeriſſene Nachrichten von dieſem oder jenem Volksſtamme, der vor Zeiten hier gehauſet habe; auch gehen ſie nur bis zum Anfange der chriſtlichen Zeitrechnung zurück, Moͤ­gen fie indeß noch fo ſpaͤrlich fein, dieſe Nachrichten, fie find doch nicht ganz ohne Werth: ſie bereiten die eigentliche Geſchichte vor, gewaͤhren ihr eine feſtere Baſis, geben ihr mannichfache Aufklaͤrung, und fo wollen wir nicht unterlaſſen, auch von dies ſen eine Zuſammenſtellung zu verſuchen und ſelbige der eigent­lichen Geſchichte Brandenburgs vorauszuſchicken.

Deutſche waren fo melden gleichzeitige Griechiſche und Roͤ miſche Schriftſteller aus dem Anfange der chriſtlichen Zeit, wo die Römer auch die entfernten Gauen unſers Vaterlandes ken­nen lernten Deutſche waren die erſten bekannten Einwohner der hieſigen Gegend(1). Aber ſchon damals gaͤhrte und wogte es in den Germaniſchen Wäldern: eine Nation verdraͤngte die andere; ein Volksname verſchlang den andern. Und ſpaͤter wandte ſich der maͤchtige Sturm nach außen hin, allbekannt unter dem Namen der großen Voͤlkerwanderung, und nun wechſelte noch oͤfter und ſchneller die ethnographiſche Phyſiognomie des Landes. Kein Wunder, wenn mehr als ein Deutſcher Volksſtamm, in verſchiedenen Perioden verſchiedene genannt werden, die hier in dieſen Gegenden ſeßhaft geweſen.

Zuerſt d. h. um Chriſti Geburt; denn damals lebte Strabo, dem wir dieſe Meldung verdanken(2) wohnten auf dem rechten Ufer der Elbe, nicht unwahrſcheinlich eben hier an der Mittelelbe, die Hermunduren und Langobarden, zwei den Sueven angehoͤrige Nationen. Spaͤter, d. h. um die Mitte des

) Anders zwar Schaffarik(uͤber die Abkunft der Slaven S. 188 ff.) und Neumann(Beitr. zur Geſchichts- und Alterthumskunde der Nieder-Lauſitz B. J. S. 1 ff.); allein ihre Gründe find nicht uͤber­zeugend. Vgl. Palackh: Geſchichte von Böhmen. B. J. S. 65 f.

) VII. I. 8. 3.(T. II. pag. 324. ed. Tach.) Zufolge dieſer Stelle

warf Tiberius den ganzen Suevenſtamm auf die rechte Seite der

Elbe zuruͤck. Vgl. Sueton. Aug. 21.