Druckschrift 
Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Dritte Periode.

. 4

Von der Einführung der Reformation bis zur Ver einigung der beiden Städte unter einen Magiſtrat oder von 1539 bis 1715 n. Ehr.

Des abgefeimten und nichtswurdigen Tezels unverſchaͤmter, marktſchreieriſcher Handel mit Ablaßzetteln zur Vergebung ſelbſt der ſchwerſten Suͤnden hatte den unverdorbenen Sinn des Pro­feſſors an der Wittenberger Univerſitaͤt, Dr. Martin Luthers, (1517) zu gerechtem Unwillen empört und, weil von Seiten der Gegenpartei kein Einſehen war, keine Abſtellung des Un­fuges erfolgte, den Mann Gottes zum Abfalle von einer Kirche vermocht, die in ihrem Schooße ſolch ein Unweſen erzeugen, naͤhren, dulden, ſchůtzen konnte. Seine kraͤftigen Worte, verbun­den mit der lauterſten, tuͤchtigſten Geſinnung, hatten ihm alsbald Vieler Geiſt und Herz gewonnen; wer noch einen offenen Blick für Wahrheit hatte, weſſen Auge nicht durch das Gewohnte verwoͤhnt, durch Vorurtheile geblendet, durch aͤußere Rückſichten irregeleitet war, der erkannte die ſchmaͤhlichen Feſſeln, in welche er geſchlagen; der ſahe den ſchrecklichen Wahn, in welchem er befangen geweſen war; der fiel dem Manne zu, der das Licht predigte; der huldigte ohne Bedenken der neuen Kirche, die zum reinen Urquell des Chriſtenthumes, zur Bibel zuruͤckfuͤhrte. Brandenburg liegt unfern der Stadt, wo der weltberuͤhmte, unz ſterbliche Reformator auftrat; ja nur wenige Stunden Weges trennen ſelbiges von der Grenze des damaligen Sachſenlandes. Iſt's da zu verwundern, wenn die Kunde von der großen Ver