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erſten Jahrhunderts, hatten ſie den Strom uͤberſchritten und ihre Wohnſitze, wie es ſcheint, den Semnonen C) uͤberlaſſen. Wie lange dieſe hier geweilt, iſt nicht zu beſtimmen. Sehr zu be: zweifeln iſt, daß die Vandalen ſich bis hierher verbreitet haben; von ihnen ſteht nur feſt, daß ſie bei den Quellen der Elbe geſeſſen; ihr Name iſt von unkritiſchen Schriftſtellern oft mit dem der Wenden verwechſelt oder in eins verſchmolzen worden. Da— gegen kann es fuͤr ausgemacht gelten, daß nach 550 n. Chr. die Deutſchen überhaupt ihre Wohnſitze hierſelbſt einem andern Volke uͤberlaſſen hatten von anderer Abkunft, mit anderer Spra— che, anderer Sitte. Das waren die Slaven, jene große und ausgedehnte, in viele Voͤlkerſchaften zerſpaltene, wilde und rohe, aber auch kraͤftige und tapfere, Freiheit zwar und Ungebunden— heit, aber auch Raub und Tuͤcke liebende, dem Heidenthume zugethane Nation, die bekanntlich noch jetzt in mancherlei Reſten oder wenigſtens in vielen Namen von Dörfern, Städten, Pro: vinzen unter uns Deutſchen und in der Europaͤiſchen Turkei fortlebt, im Ruſſiſchen Reiche dagegen ſeit einem Jahrhundert eine Rolle zu ſpielen begonnen hat, welche zu den glaͤnzendſten und ruhmvollſten in der Weltgeſchichte gehört, Sie waren den fortgewanderten Deutſchen auch in die hieſige Gegend nachgeruͤckt, und was ja von dieſen zuruͤckgeblieben war, mochte vernichtet worden oder mit ihnen verſchmolzen ſein. So aͤnderte ſich im 6ten Jahrhundert die Phyſiognomie unſerer Gegend in volks— thuͤmlicher Hinſicht gänzlich, Ob ſolcher Geſtalt der Slave auch bereits die Feſte Brandenburg mit dieſem ihrem echt Germaniſchen Namen vorgefunden habe? Dieſe Frage muß entſchieden verneint werden. Wir ſind nicht im Stande, den Beweis zu führen, die Deutſchen hätten ſchon im Hten oder ten Jahrhundert allgemein die Gewohnheit beſeſſen, die Kunſt verſtanden, feſte Pläße anzulegen, noch obendrein in den nördlichen, diesſeit der Elbe gelegenen, von den Römern— die einzig ihre Lehrer
) Ptolem. geogr. II, II. Vellei. Patere. II, 106. Vergl. Mannert: Geographie der Griechen und Römer. B. III. S. 351. Dagegen ſtreitet Neumann CA, 4. O.), der indeſſen dem Ptolemaͤus zu wenig Glauben ſchenkt.
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