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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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ſchenkte er auch 1311 dem Altare des heiligen Antonius in der

Katharinenkirche eine jährliche Rente(!).

Im Jahre 1315 aber muß Johann VI. volljährig geweſen ſein; denn von da an ordnete er ſelbſt die Angelegenheiten der Neuſtadt. Zuerſt ſchlichtete er einen Streit der Juden(2) und der Fleiſcher hieſelbſt und beſtimmte, inwieweit den erſtern er­laubt ſeln ſollte, Fleiſch zu verkaufen(2); ſodann verlieh er zum Lobe des allmächtigen Gottes und deſſen heiliger Mutter und Jungfrau Maria und aller Heiligen, ingleichen zu ſeiner und feiner Altern, Vorgaͤnger, Nachfolger und aller verſtorbenen Chriſtenleute Seelen Seligkeit den Kalandsbrüͤdern der Elenden (lratribus kalendarum exilij) eine jährliche Getreiderente aus dem Dorfe Etzin, damit ſie von derſelben und von andern Almo­fen die Fremden, aus ihrem Vaterlande Vertriebenen, unglück­lichen Heimathloſen pflegen und die aus ihrer Mitte fern nen ehrlich begraben möchten(). Endlich gab er der Stadt ein ſehr ausführliches Privilegium über alle 1 die ſie ſchon erworben hatte, oder die fie erſt durch ihn erhielt, nämlich 1) daß die Stadt das ſpecielle Vorrecht haben ſollte, daß alle Gemeinden und Staͤdte im ganzen Umkreiſe ſeiner Herrſchaft, wollten ſie ihr Recht ſuchen, ſich an die Stadt Brandenburg wenden und deren Urthel ſowohl in polizeilichen als in gericht­lichen Sachen(iura tam consulum quam scabinorum) von der: ſelben naͤhmen, und daß gegen die Urthel, welche die Schoͤppen und Rathmaͤnner(5) oder die Geſchwornen der genannten Stadt

) S. Fincke's Progr. 1752. S. 2 f. Not.

2) Dieß das aͤlteſte Zeugniß, daß Juden ſich hier angeſiedelt hatten. Sie trieben Fleiſchverkauf, Wechſelgeſchaͤfte, Wucher, Schacher und ſtanden gemeinhin unmittelbar unter dem Schutze des Landesherrn, dem ſie dafuͤr einen Leibzoll entrichteten.

Die Urk. bei Lenz Brandenb. Urk. S. 929. und in Beckmann. enu­cleat. S. 81.

) Die urk. gedruckt bei Buchholtz a. a. D. S. 169,

3) Das Und zeigt, daß die Mitglieder des Schoͤppenſtuhles auch beim Magiſtrate Schoppen und als ſolche zugleich Mitglieder des Ma giſtrats-Collegiums waren, folglich bei der Stadt neben der Crimi­naljuſtiz im Beſondern, auch die allgemeinen Magiſtratual⸗Angele­genheiten mit verwalten halfen.