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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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zu halten. Unter andern Anordnungen, welche hier getroffen wurden, intereſſirt uns beſonders, daß von nun an alle drei Jahre an demſelben Tage Generalcapitel gehalten werden ſollte, und der Brandenburger Propſt jährlich funf Stuͤck(ſertones) einzuzahlen hätte zur Beſtreitung der Bedurfniſſe des Ordens. Damals war auch das Capitel wieder ein Mal mit den Mark­grafen Otto IV. und Konrad 1. zerfallen. Selbige hatten bei ihren immerwaͤhrenden, koſtſpieligen Kriegen mehr Abgaben von den Unterthanen des Stiftes erhoben, als recht ſchien. Das Capitel beſchwerte ſich. Drauf gaben zwar die Markgrafen 1296 die Verſicherung, ſie wollten fuͤr den Schaden Erſatz leiſten; allein fie muͤſſen ihr Verſprechen entweder gar nicht oder nicht in dem gehofften Maaße gehalten haben: genug! der damalige Biſchof Volrad(12977 1302) verklagte ſie beim Papſte Bo­nifacius VIII., und der ſprach den Bannfluch über fie aus (1297). Das half indeß nichts: jene kehrten ſich daran nicht. Da übertrug der Papſt, auf eine nochmalige Vorſtellung des Bi­ſchofs, 1302 den Erzbiſchoͤfen von Magdeburg und Bremen, mit neuen Bannbriefen gegen die Markgrafen zu verfahren. In Folge deſſen befahl der Biſchof von Lubeck im genannten Jahre allen Moͤnchen im Brandenburger Sprengel, daß ſie die Fuͤrſten und deren Anhänger zu meiden und das Interdiet ſtreng zu beobach­ten haͤtten; der Erzbiſchof von Bremen aber, Giſelbert, erließ das Jahr drauf an alle Geiſtliche in der Mark, im Magdeburgiſchen und Halberſtaͤdtiſchen den Befehl, in ihren Kirchen bei angezuͤn­deten Kerzen, unter Laͤutung der Glocken, oͤffentlich bekannt zu machen, daß die beiden Markgrafen ſammt ihren Beamten und Anhaͤngern in den Bann gethan waͤren, und ſcharf ward ihnen an­geſagt, das Interdiet auf das genaueſte zu beobachten und nirgends Kirche zu halten. Dieſe Machtſprüche wirkten: 1304 verglich ſich Otto IV. mit dem Brandenburger Biſchofe(Friedrich 13007? 1316) dahin, daß er dem Stifte 1000 Mark Silber als Schad­loshaltung zu zahlen verſprach, worauf vermuthlich der Bann ge­loͤſt worden iſt(*). Den Domherren war eine ſolche Entſchaͤdi­gung zu gönnen: ſie hatten durch Krieg, Raub, Peſtilenz, Pluͤnde­

) Die noͤthigen Belaͤge hierzu bietet Gerckens Stiftsh. S. 13

3 ff.