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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
306
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zuerſt oͤffentlich eine evangeliſche Predigt halten, was die ver­wittwete Kurfuͤrſtin Mutter bisher nur in ihrem Zimmer hatte thun laſſen. Nach der Predigt trat ſodann der Biſchof Mat­thias vor den Altar und theilte mit ſelbſteigner Hand das Abend­mahl unter beiderlei Geſtalt an den Kurfuͤrſten und deſſen Raͤ­the und Hofbediente aus. Damit war die Trennung von der katholiſchen Kirche ausgeſprochen, und Brandenburg ging, wie die ganze Mark, einer neuen Zeit entgegen. Nicht blos das kirchliche, das religioͤſe Leben erlitt eine bedeutende Umgeſtaltung; auch das Schulweſen und die ganze Bildung des Volks gewann einen Aufſchwung; ja ſelbſt das oͤffentliche Gemeindeweſen ers hielt mancherlei Modificationen und Gewalten, die es fruͤher⸗= hin nicht gehabt. Mit einem Worte: die alten Formen brachen ein, ein neues Leben begann.

Zu jener Verſammlung hatten natürlich auch die Brandenbur­ger Abgeordnete geſandt: von Seiten der Neuſtadt war Thomas Bawitz und Bartholomeus(ein Buͤrgermeiſter?) zugegen gewe­ſen(). Was nun von unevangeliſchen Dingen noch nicht ab­geſchafft war, wurde jetzt abgeſchafft, und aller Gottesdienſt nach dem Willen des Kurfuͤrſten eingerichtet. Brandenburg hoͤrte ſomit auf, dem Papſte und der katholiſchen Kirche anzugehoͤren: nicht mehr nach Rom brauchte es hinzublicken, von da den Bannfluch zu fürchten oder für ſchweres Geld ſich Ablaß und Indulgenzen zu erbitten. Das fuͤnfhundertjaͤhrige Band war zer­riſſen. Der Landesherr bekam zur weltlichen Macht auch die kirchliche und konnte nun mit verſtaͤrkter und ungetheilter Kraft in die Angelegenheiten unſerer Stadt eingreifen. Und das ha ben unſere Fuͤrſten ſeitdem wacker gethan: faſt mit jedem Jahr zehend finden wir nun immer deutlicher die Spuren ihres Wal­tens, ihres Sichtens und Ordnens der ſtaͤdtiſchen Verhaͤltniſſe: kein Zweig derſelben bleibt unberückſichtigt; an dem Kirchlichen lernten ſie die ſtrengere Handhabung des Regiments in allem uͤbrigen.

Wer ſich der neuen Ordnung der Dinge nicht fuͤgen wollte, waren die Bettelmoͤnche in der Altſtadt: fie weigerten ſich die

*) S. Schäffer a. a. D. S. 77.