305 glaubte keine Ausgaben ſparen zu dürfen, um die Sache zu foͤrdern. Im Jahre 1536 ſandte er aus ſeiner Mitte den Johann Weinhauſen nebſt dem Pfarrer Bawitz nach Berlin zum Kurfürz ſten, und mit dem Biſchofe ward im Dorfe Wuſterwitz von den Buͤrgermeiſtern Clemens Storbecke, Auguſt Kruͤger und Hans Nickel unterhandelt(), und wahrſcheinlich iſt die Sache zu Stande gekommen, die Neuſtadt Brandenburg alſo ſchon damals evangeliſch geworden, ingleichen der Pfarrer Thomas Bawitz. Der Kurfuͤrſt ſelbſt gab indeſſen das alte Syſtem nicht eher auf, als bis er ſahe, daß alle feine Bemuhungen, eine Verbeſſerung der katholiſchen Kirche aus ihrem eigenen Schooße zu ermitteln, vergeblich waren; daß man von Seiten der Papiſten ihn nur mit leeren Verſprechungen hinzuhalten ſuchte. Da glaubte er nicht länger zögern ſondern die verfallene Kirchenzucht wiederherſtel— len, die aberglaͤubiſchen Dinge abſchaffen und, damit ſein armes Volk wiſſen koͤnnte, was es glauben und nicht glauben ſollte(2), für Anſtellung treuer Religionslehrer ſorgen zu muͤſſen. Doch auch ſo wollte er nichts uͤbereilen, ſo wenig wie moͤglich, nur das aller Nothwendigſte und Dringendſte abſchaffen. Offentlich aber wollte er jetzt hervortreten mit dem Bekenntniſſe des evan— geliſchen Glaubens. Zu dem Ende ließ er 1539 auf den 1. No— vember— es war der Tag, an welchem Luther 22 Jahre vor— her die Reformation begonnen hatte— die Staͤnde und die ſaͤmmtlichen Prediger der Kurmark nach Berlin entbieten, theils um ihnen ſeine Willensmeinung zu offenbaren und ihnen den of— fenkundigſten Beweis ſeiner Geſinnung an den Tag zu legen, theils um ihnen oͤffentlich die laͤngſterſehnte Freiheit des evange— liſchen Gottesdienſtes durch Wort und Beiſpiel zu gewaͤhren. Als ſich alle verſammelt hatten, wählte er zum Platze dieſes Bez kenntniſſes die von ihm ſehr geliebte Stadt Spandau, und zwar um ſo mehr, als ſeine Mutter daſelbſt ihr Leibgedinge hatte und mit herzlichem Verlangen laͤngſt ſchon auf dieſe Veränderung gehofft und darnach ſich immer geſehnt hatte, zu ihrem Troſte ſolches wichtige Werk noch erleben zu koͤnnen. Hier ließ er ) S. Schäffer S. 75 f. ) S. Schmidt's Reformationsgeſch. S. 181. f. 20
Druckschrift
Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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