312 zutreten. Dieſer antwortete jedoch, er habe ſich in ſeinem bisherigen Wohnorte anheiſchig gemacht, ſeinen Dienſt erſt nach vierteljähriger Kündigung zu verlaſſen. Der Rath aber und die Commiſſarien trugen Bedenken, einen andern Geiſtlichen zu vociren, als der in Luthers Schule geweſen und in Wittenberg gebildet waͤre. Man wandte ſich indeſſen an Luther ſelbſt mit der Bitte, dahin zu wirken, daß Siegfried ſchon zu Oſtern desſelben Jahres ſein Amt antreten und namentlich auch die Schule einrichten koͤnnte und möchte, Das geſchah, und Siegfried ward der erſte evangeliſche Pfarrer an der St. Gotthardskirche Oſtern 1541, und die Altſtadt eximirt von der Gewalt der katholiſchen Kirche, des Papſtes und des Stifts, d. h. wie das Capitel und die Neuſtadt, auch in kirchlicher Hinſicht, unmittelbar dem Kurfuͤrſten und ſeinem Conſiſtorio unterworfen. Siegfried wurde wie Bawitz verpflichtet, wöchentlich eine bis zwei Stunden Religions— lehre den uͤbrigen Geiſtlichen und den Schulen beider Staͤdte im grauen Kloſter vorzutragen(zu welchem Ende in dieſem Kloſter ein eigenes Auditorium angelegt wurde) und von Seiten der Kirche die Aufſicht uͤber die Altſtaͤdtiſche Schule zu führen, waͤhrend von Seiten des Magiſtrats der jedesmalige regierende Buͤrgermeiſter Vorſteher derſelben war. An dieſer fungirte damals ein Conrector, ein Cantor, ein Baccalaureus, ein Infimus, und ſie ſcheint in gutem Flore geweſen zu ſein; denn ſie bildete in der Zeit einen Sabinus und Praͤtorius, Maͤnner, welche ſich durch ihre claſſiſche Bildung, namentlich als Dichter in lateiniſcher Sprache einen Namen erworben. Mit der Beſoldung der Geiſtlichen und Schullehrer wurde es hier wie in der Neuſtadt gehalten: auch ſie ward zumeiſt aus dem jaͤhrlichen Einkommen der Lehen der Kirche und der Capellen, aus den Einkuͤnften eingezogener geiſtlicher Gulden, aus den vielen geiſtlichen Lehen, Commenden und Vicariaten, die jetzt aufgehoben wurden, u. ſ. w. zuſammengeſetzt. So z. B. gab es ein Lehn, genannt das der heiligen drei Könige, Dieſes hatte der Domherr Joachim(Koſſel?) zur Zeit inne. Er cedirte aber ſolches zu Gunſten der Kirche für eine jährliche Rente von 10 fl. Weil dieß Alles nicht zureichen wollte, ſo ſchoß der Magiſtrat noch vieles zu, namentlich verſorgte er Schul- und Kirchendiener reichlich mit
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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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