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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
313
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Holz aus der Forſt(1). Würde der Kirchenkaſten in Aufnahme kommen, fo ſollten auch hier, wie in der Neuſtadt, 25 fl. aus geworfen werden zur Unterſtuͤtzung eines auf der Univerſitaͤt ſtu­direnden Brandenburger Buͤrgerſohnes.

uͤber das Kloſter auf dem Marienberge fehlt es uns zwar aus dieſer Zeit an Nachrichten; doch iſt es wahrſcheinlich, daß es ſich ebenfalls nach und nach aufloͤſte. Joachim II. hatte ihm noch 1536 ſeine Privilegien und Beſitzungen beſtaͤtigt(2), und es hatte ſich ſelbſt nach dem Ausbruche der Reformation der Glaube an eine beſondere Heiligkeit der Marienkirche erhal ten, dermaßen daß aus beiden Staͤdten, beſonders wenn der paͤpſtliche Ablaß ertheilt wurde, ein maͤchtiger Zuſammenfluß von Menſchen jeglichen Alters und Geſchlechts zu ihr hinauf geſchahe. Dann ergoſſen ſich ſchon des Morgens vor Sonnenaufgang die Einwohner Brandenburgs in ſo reichem Maaße dahin, daß die Kirche die Andaͤchtigen nicht faſſen konnte(2). Allerdings mußte auch die herrliche freie, hohe Lage des Tempels die Menſchen anziehen und zur Andacht locken. Jetzt ward indeſſen jede ka tholiſche Ceremonie, die ſich nicht mit der aͤchtchriſtlichen Lehre vertrug, aufgehoben, auch kein neuer Domherr mehr gewaͤhlt, der Orden der Kettentraͤger bald nachher aufgeloͤſt(1554), ob durch eine beſondere Urkunde, iſt zweifelhaft. Der Glanz des Stiftes auf dem Berge war alſo dahin: noch hatte er kein Jahr hundert gedauert. Es verwaiſte allmählich. Die letzten Pruͤmon­ſtratenſer ſollen nach Italien gewandert fein(*). Zuletzt war der Propſt Dr. Peter Reinicke(ein geſchickter Uhrmacher) allein noch uͤbrig; aber weil es ihm oben zu einſam ſein mochte, ſo zog er in die Altſtadt in das Kloſter der Bettelmoͤnche, wo er 1547 geſtorben iſt, wie noch ſpaͤter ein Leichenſtein in der Jo­hanniskirche bezeugt hat(5). Er war der letzte Praͤmonſtraten­ſer in unſerer Stadt und Gegend: mit ihm hatte dieſer denk

4) Nach Schlicht's hiſtor. Nachricht von dem Urſprunge der Saldern­ſchen Schule(S. 11 ff.) und nach ungedruckten Urkunden.

2) S. die Lehnsbüͤcher im Geh. Staatsarchiv T. XXXII. S. 1,

) So erzählt Leutinger: opp. p. 600. ed. Krause.

) S. von Rochow's Geſchichtl. Nachrichten S. 80.

5) S. Garcaeus zu Sabin. de Brandeb. p. 348. Not. dd.