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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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wuͤrdige und reiche, angeſehene Orden hierſelbſt ein Ende. Auch er hatte ſich uͤberlebt. Die Kloſtergebaͤude ſammt der Marien­kirche blieben leer und unbenutzt ſtehen. Von den Einkuͤnften des Kloſters nahmen die Viſitatoren ein vollſtaͤndiges Verzeich­niß auf.

So athmeten die Brandenburger endlich in einer neuen At­moſphaͤre, nach der fie 24 Jahr geſchmachtet hatten, und daß fie darin ſich werden wohler gefühlt haben, als unter dem duͤ­ſtern und ſchwüͤlen Himmel des Katholicismus, wer möchte das laͤugnen? Und wenn ſie ſich ſolches Umſchwunges der Dinge freuten, wer wollte ihnen das verdenken? Zwar wir wollen nicht verkennen, daß wir der katholiſchen Kirche die Verpflanzung des Chriſtenthums in dieſe Gegenden, die Anlage der herrlichen Tem­pel, in denen wir noch jetzt nach Jahrhunderten unſern Schoͤpfer preiſen, die Entſtehung der Schulen verdanken; aber wir dürfen auch nicht verkennen, daß mit dem guten Geiſte auch ein boͤſer Daͤmon eingezogen war. Das uͤbertriebene Ceremonielle, in wel­ches das eigentliche Chriſtenthum aufging, und welches die An haͤnger desſelben zu Heuchlern machte; das unwuͤrdige Spiel mit dem Leichname Chriſti oder der heiligen Hoſtie und Monſtranz; das ubermaaß von Heiligen, vor welchen die Verehrung Gottes und des Heilandes in Schatten trat; das unnatuͤrliche Moͤnchs­weſen, von dem wir nicht ſagen koͤnnen, daß es unſerm Bran­denburg auch nur ſoviel genützt habe; der phantaſtiſche Glaube, der zu ſeiner und der Seinigen Seelen Seeligkeit Vermaͤchtniſſe und Meſſen ſtiftete; der ſchaͤndliche Handel mit Ablaßzetteln, der allen Verbrechen Thor und Thur oͤffnete; der Druck über die Geiſter und Herzen, der jeden Aufſchwung laͤhmte und ein duͤ­ſteres, verſchloſſenes, unthaͤtiges Weſen uͤber die Bekenner ver­breitete, waͤhrend doch die Geiſtlichen, vom Haupte der Kirche an bis auf die einzelnen Glieder, faſt alle ohne wiſſenſchaftliche Bildung und demoraliſirt, ſelbſt keines geiſtigen Aufſchwunges faͤhig waren und jeder Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geiſtes aus dem Schooße der Kirche mit allen Kräften wehr­ten, ſich in dieſem nichtswürdigen Zuſtande ganz behaglich fuͤh­lend. Das Alles war jetzt anders geworden: vereinfacht war der Gottesdienſt, alles Spielende weggethan, dem Abendmahle