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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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ſeine volle Wuͤrde wiedergegeben, fuͤr beſſere Geiſtlichen und de­ren anſtaͤndigen Unterhalt und Lebenswandel Sorge getragen, die Schulen verbeſſert. Ungehemmt konnte ſich der Geiſt bewegen; ihm war Freiheit des Gewiſſens, des Denkens, des Forſchens zu Theil geworden: er konnte ſich laben an den Deutſchen Ge ſaͤngen in der Kirche und an den herrlichen Ausſpruͤchen der Bis bel, die der unſterbliche Luther in verſtaͤndliche Worte gekleidet hatte. Das Alles mußte natuͤrlich bei den Brandenburgern den ſelben Umſchwung im Denken, in der Geſinnung, im Charakter, im ganzen Leben hervorbringen, welchen die Reformation im Großen auf die ganze Menſchheit geäußert hat: fie ward ein Ferment zur Umaͤnderung d. h. zur Veredlung aller menſch lichen Verhaͤltniſſe.

Weſentliche Verdienſte hatte ſich bei dieſer Gelegenheit um die Neuſtadt der Pfarrer Bawitz erworben: der Magiſtrat fand ſich dadurch veranlaßt, ihm ein beſonderes Geſchenk zu üͤberrei­chen(1). Leider ſtarb der treffliche Mann noch in demſelben Jahre(1541): er war der erſte evangeliſche Prediger, dem die Ehre zu Theil ward, in der Katharinenkirche begraben zu wer den. Dort ruht er in der Nähe des Altars unter einem Steine, der noch jetzt ſeinen Namen nennt. Auch ehrte ſein Andenken der beruͤhmte Dichter Sabinus durch eine Grabſchrift in Latei niſchen Verſen(2). An ſeine Stelle ward der fromme und auch als Dichter religiöſer Geſaͤnge bekannte Dr. Erasmus Alberus berufen, ein Freund Luthers, der nur ein etwas zu eifriger Lu theraner war und deshalb ein ſehr wechſelvolles Leben gefuͤhrt hat, wie er denn im Ganzen ſieben Mal ins Exil gejagt wor den iſt, auch hier nicht lange fungirt hat. Durch ſeine zu große Hitze mochte er überall anſtoßen: man ſuchte ihn daher auch von hier bald wieder loszuwerden; hier mochte ihm namentlich mißfallen, daß noch ſo vieles Papiſtiſche beibehalten worden war, und 1542 ward der Buͤrgermeiſter Kruͤger und Joachim Hinden burg nach Berlin zum Kurfuͤrſten geſandt, um deſſen Zuſtim

1) S. Schaͤffer S. 78. 58. Gottſchling's hiſtor. Nachricht v. d. Superintendenten in der Neuſtadt Brandenburg S. 3.