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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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pfangen, vom Superintendenten der Neuſtadt mit einer Anrede bewillkommnet, unter Abſingung geiſtlicher Lieder und unter dem Klange aller Glocken in die Stadt geleitet. Die eine Haͤlfte blieb in der Neuſtadt, die andere ging nach der Altſtadt hinüber. Hier wurden fie bei den Bürgern förmlich einquartiert und aufs freundlichſte bewirthet. Denſelben Abend veranſtaltete man noch eine Hauscollecte, welche 600 Thaler einbrachte. Den folgenden Tag war Gottesdienſt in der Katharinenkirche, wo wieder eine Collecte geſammelt wurde; darauf wurden die Reiſenden mit einem Mittagsmahle erquickt und ſodann über den Grillendamm durch das Cracower Thor nach Spandau hin geleitet. Den 15. Juli kamen andere 2 die eben ſo wie die erſten aufgenommen wurden: ſie zogen den 17. weiter; den 21. Juli langten aber­mals 431 und den 22, der letzte Transport, 619, an, ſo daß Brandenburg in Allem 19690 dieſer Bedauernswerthen bekoͤſtigt, beherbergt, mit Geld, Büchern und andern Dingen reichlich be ſchenkt hat.

In demſelben Jahre edirte Gottſchling feine»Beſchreibung der Stadt Alt-Brandenburg«. Aus ihr erſehen wir unter Anz dern, was wir ſchon im Vorhergehenden erwähnt haben, daß der Schsͤppenſtuhl in Brandenburg nun auf drei Mitglieder vers mindert war, ohne Zweifel, weil die Arbeiten desſelben viel ge ringer geworden.

Zur noͤthigen Militairverwaltung theilte Friedrich Wilhelm ſeine Lande 1733 in gewiſſe Reviere oder Cantons, aus welchen die Rekruten für beſtimmte Regimenter En werden mußten, Brandenburg, als die uralte Hauptſtadt der Mark, wurde wie Berlin durch die Gnade des Koͤnigs von dieſem Enrollement, wie es genannt wurde, frei geſprochen und iſt bei ſolchem Pri­vilegio verblieben, bis die jungſte Militairverfaſſung auch dieſes Vorrecht aufhob.

Wegen eines nothwendigen Baues der Johanniskirche wurden die Reformirten in der Altſtadt 1731 gezwungen, eine Zeitlang die Petrikirche auf der Burg zu ihrem Gottesdienſte zu benutzen. In dieſem Jahre vereinigten ſich auch 17 Mitglieder aus den Brauinnungen beider Städte zur Stiftung einer Actiengeſellſchaft fuͤr das Brauen eines Weißbieres. Sie erbaten ſich zu dem