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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
391
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391 bauung einer neuen, beſſern geſorgt(1723 5), der jetzt noch vorhandenen, welche ſich durch die Schoͤnheit und Staͤrke ihres Tones fo vortheilhaft auszeichnet. Dabei wurde das ganze In nere der Kirche einer Erneuerung unterworfen, die vielen kleinen Altäre, welche noch aus der katholiſchen Zeit herruͤhrten, ent fernt, der Hauptaltar neu aufgeputzt. Damals(1725) erhielt das Gotteshaus das zwar koſtbare aber doch eben nicht kuͤnſt leriſch ſchoͤne Epitaphium des Ewald Bogislaff von Schlabern­dorf aus Alabaſter.

Auch der Magiſtrat der beiden Staͤdte ward in dieſer Zeit zu manchen koſtſpieligen Bauten veranlaßt: 1724 mußte der Rathhausthurm und in den folgenden Jahren die Orgel in der Katharinenkirche, die 1725 gleichfalls durch einen Blitzſtrahl bes deutend beſchaͤdigt worden war, wieder hergeſtellt werden. Bei der Gelegenheit wurde auch das Innere dieſer Kirche und zwar auf Koſten der Brauerinnung, erneuert, obwohl ohne Geſchmack; daher es ſo wuͤnſchenswerth, daß dieſes herrliche Denkmal der Baukunſt endlich einmal, in unſern Tagen, eine ſeiner ganz wuͤr­dige Ausſchmuͤckung erhalte.

1732 ſahe unſere Stadt einen abermaligen großartigen Des weis der Duldſamkeit und Menſchenfreundlichkeit des Hohenzol­lernſchen Hauſes. In dieſem Jahre naͤmlich zwang die bigotte Grauſamkeit eines katholiſchen Erzbiſchofs Tauſende von prote­ſtantiſchen Salzburgern, ihre Heimath zu verlaſſen. Friedrich Wilhelm J. gewährte ihnen ſofort eine Zufluchtsſtaͤtte in ſeinem Staate. Durch anſteckende Krankheiten waren in den Jahren vorher viele Gegenden in Preußen und Litthauen veroͤdet; dahin ſollten die Heimathloſen ziehen, dort ein neues Vaterland finden. Die Reiſe war lang und erſchoͤpfend und, wenn es auch der König nicht an Hülfe aller Art mangeln ließ, doch mit vielen Entbehrungen verbunden. Da blieb nicht minder den Untertha­nen, den Einwohnern der Srter, durch welche jene kamen, ein reiches Feld zur Wohlthaͤtigkeit. Die Brandenburger ſind nicht hinter Andern zurückgeblieben. Die Ungluͤcklichen trafen von Mag­deburg her in einzelnen Trupps in Brandenburg ein. Die erſte Schaar, beſtehend aus 432 Perſonen beiderlei Geſchlechts, kam an den 23. Juni. Sie wurden beim Steinthore feierlich em­