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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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man an, das unſchaͤtzbare Kleinod abzubrechen. Das Gemaͤuer war fo feſt, daß die Steine meiſt in Stuͤcke geſchlagen oder durch Pulver geſprengt werden mußten; nur ein kleiner Theil, kaum 50 Thaler werth, blieb ganz. Man brachte mit dem Nie­derreißen beinahe fünf Vierteljahre zu. Endlich kam man an einen unterirdiſchen Gang: den hielt Piny für die eigentliche Schatzgrube, und auch er wurde erbrochen. Piny ließ alle Naͤchte dabei wachen, und weil es im Winter geſchahe, wurden viele Fuder Holz verbrannt. Und was fand man? Wie man ſagt, nichts als eine Puppe mit einem ſeidenen Gewande(). Die Koſten des Niederreißens beliefen ſich weit höher als die wenigen brauchbaren Steine werth waren. Dieſe wurden denn wirklich nach Potsdam geſchafft; aber viele zerſtuckelte blieben zurück. Was geſchahe mit denen? Vornehme und geringe Leute brachten fie fort und verbrauchten fie: manche Weinmeiſter baue­ten ſich davon ganze Haͤuſer; insbeſondere aber durfte der die hieſige Garniſon damals commandirende Oberſt von Maſſow, welcher beim Koͤnige ſehr angeſehen war, einen großen Theil je­ner Baumaterialien benutzen, theils um das Freihaus in der Rit­terſtraße, theils um das Vorwerk vor der Altſtadt, das noch jetzt feinen Namen traͤgt und mancherlei Freiheiten genießt, anzule­gen. Um der Nachwelt nicht ganz die Anſchauung des merk­würdigen Gebäudes zu entziehen, ließ das Domcapitel eben je­nes Modell anfertigen, was noch gegenwaͤrtig in der Stiftskirche gezeigt wird(2). Eine Anſicht von ihr liefert ein Gemälde in der St. Gotthardskirche, eins auf dem Rathhauſe und eins in der Dechanel, einen Grundriß unter andern das 2Zte Heft des bekannten von Minutoli'ſchen Werkes. Seitdem ſteht unſer Mas rienberg kahl und verwaiſt, ſehnlichſt harrend eines edlen Goͤn­ners, der ihn wieder mit einem vaterlaͤndiſchen Denkmale ziere.

Das Jahr 1722 iſt endlich noch dadurch merkwuͤrdig für Brandenburg, weil in demſelben ein Blitzſtrahl die erſt 1679 89 erbaute Orgel in der Domkirche zerſtoͤrte. Es ward für die Er­

) S. Aneldoten aus der Preußiſch⸗Brandenb. Geſch. 3 H. S. 44. Das Übrige meiſt nach handſchriftlichen Nachrichten. Vgl. oben S. 70. Not.