Druckschrift 
Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
394
Einzelbild herunterladen

3941

Regimenter Infanterie und Cavallerie(oder 35 Bataillone Fuß­volk und 32 Schwadronen Reiter), in allem etwa 30,000 unter dem Commando des alten Deſſauers in der Naͤhe von Branden­burg, nach Süden zu, zwiſchen den Dörfern Göttin, Krane und Rekane, an eben der Stelle, welche der berühmte Paͤdagog Friedrich Eberhard von Rochow mit einer Piramide aus ſchlich ten Feldſteinen bezeichnet hat(), am Sonnabend vor Oſtern ein Lager. Das brachte unſerer Stadt ungewöhnlichen Verkehr, und die Brandenburger erfreuten ſich eines ſchoͤnen Verdienſtes. Indeſſen war auch das Unglück nicht fern. Es trat ein unange­nehmer, langdauernder rauher Frühling ein. Noch zu Pfingſten, als der Roggen bereits bluͤhte und eine reiche Erndte erwarten ließ, fiel ein zwei Fuß hoher Schnee(2). Das erzeugte im Las ger Krankheiten, namentlich die Ruhr, und eine große Menge Soldaten ward davon ergriffen. Naturlich mußten nun die Bur ger in Brandenburg, als der naͤchſten Stadt, viele derſelben in ihre Häufer aufnehmen, fo daß unſer Ort einem Lazarethe glich. Aber die kranken Soldaten verbreiteten das uͤbel auch unter die Einwohner: ein allgemeines Sterben war die Folge, ſo daß die bisherigen Begraͤbnißplaͤtze in der Neuſtadt(der Katharinen­und der Pauliner Kirchhof an der Stelle des ehemaligen Wein berges des Kloſters) bald nicht mehr ausreichten. Nun hatte man zwar ſchon bei fruͤhern Peſtilenzen einen Theil der Vorſtadt vor dem Steinthore, den eben hiernach ſogenannten Trauerberg, dazu benutzt; indeſſen ſtand dieſer Platz im Fruühjahre oͤfters unter Waſſer, ſo daß man die Leichname entweder in die mit Waſſer angefüllten Graͤber verſenken oder fo lange über der Erde

I) Einen Grundriß dieſes Lagers findet man bei Buͤſching's Reiſe nach Rekane. Tab. II.

2) Damals wollten, fo erzählt man ſich, einige Landleute der Vorſe­hung vorgreifen und die Saat vom Schnee befreien: ſie gingen mit ausgeſpannten Seilen, der eine auf dieſer, der andere auf jener Seite des Ackerſtuͤckes entlang und ſtreiften den Schnee von den Ähren. Allein ihre Hoffnung, den Feldern zu nuͤtzen, ſchlug dadurch gerade fehl. Mit dem Schnee ſtreiften ſie die Bluͤthen ab; das Ge­treide wurde taub, waͤhrend die Saat derer, die ruhig den Schnee hatten liegen laſſen, reichliche Frucht gab.