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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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ſtehen laſſen mußte, bis der Ort trocken geworden war. Aus dieſem Grunde fand man ſich veranlaßt, den jetzigen Todtenacker (bisher ein wuͤſter Fleck) für die Neuſtaͤdtiſche und Domge­meinde anzukaufen. 1746 ward daneben auch der Judenkirchhof angelegt. Das Lager blieb deſſenungeachtet ſieben Monate lang, bis zum October, ſtehen(*), und im Jahre darauf ward der Friede geſchloſſen. Das dieſerhalb angeſtellte Dankfeſt wurde in unſerer Stadt(10. Juni) durch Gottesdienſt, Kirchenmuſik und viele andere Feſtlichkeiten begangen: der Dom und die beiden Staͤdte ſchienen um den Vorzug zu wetteifern. Einige Tage nachher erhielt Brandenburg an der Stelle des gleich nach dem Antritt der neuen Regierung aufgehobenen dritten Gardebataillons ein vollſtaͤndiges Regiment zur Garniſon: dies war das Regi ment von Münchow, beſtehend aus 18 Fuͤſilier- und 2 Grena dierbataillonen.

In der nun folgenden Zeit des Friedens richtete der Koͤnig ſein Augenmerk beſonders auf die Befoͤrderung des Seidenbaues in feinen Ländern; er ſetzte gewiſſe Preiſe feſt, feine Unterthanen aufzumuntern, und befahl den Communen, Maulbeerbaͤume auf oͤffentlichen Plaͤtzen anzupflanzen. Aus dieſem Grunde finden wir noch heut zu Tage bei Brandenburg, ſowohl bei der Alt- als bei der Neuſtadt, Anlagen der Art; denn die Brandenburger gehorſamten den Befehlen des Königs.

Beim Ausbruch des 2ten Schleſiſchen Krieges(1744) ver ließ das von Muͤnchowſche Regiment unſere Stadt(16. Auguſt). Als auch dieſer ruhmvoll fuͤr Preußen endete(1745), ward hier wieder ein ſolennes Dankfeſt(15. ff. Juni 1746) mit Gottes dienſt, feierlichen Aufzuͤgen, Reden, Illumination gefeiert.

Das Jahr darauf hielten die beiden Schuͤtzenguͤlden beim Koͤnige um Wiederherſtellung ihrer jaͤhrlichen Schuͤtzenfeſte an, die fein. Vater abgeſchafft hatte. Friedrich tolerirte dieſe Geſell­ſchaften und ihre Schießuͤbungen nicht darum, weil fie einen mi litairiſchen Nutzen hatten, oder daß der Buͤrger einmal ein Ver gnugen genoͤſſe, ſondern weil man ihm vorgeſtellt hatte, durch

) S. Brandenb. Anz. 1810. St. 31. und die handſchriftl. Nachrichten im Knopfe des Katharinenthurmes.