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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
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396 ein jaͤhrliches Schießen werde die Nahrung in den Staͤdten ge­foͤrdert. So geſtattete er denn auch den Brandenburgern ihre Gülde wieder aufzurichten und verhieß ihnen eine Prämie aus der Acciscaſſe, und 1719 befahl er dem Magiſtrate, ihnen gleich­falls eine Prämie aus der Kaͤmmereicaſſe zu verabfolgen. Sie ſollten auch mit klingendem Spiele und fliegenden Fahnen zum Schießen ausziehen durfen.

Zur Aufmunterung des Gewerbfleißes that Friedrich II. Man­ches auch für unſere Stadt. So z. B. gab er 1719 zwei Bůr­gern hierſelbſt ein Privilegium, marmorirte und Turkiſche bunte Papiere zu verfertigen, und ein anderes einem gebornen Henne­berger, eine Parchentfabrik zu errichten, die erſte ihrer Art Hierzu ward demſelben das ſo lange

in der ganzen Mark. dabei liegende Syn­

wuſte geſtandene altſtaͤdtiſche Rathhaus, das dicatshaus und vor dem Rathenower Thore ein Bleichplatz an­gewieſen; die Fabrik kam bald in Aufnahme und beſchaͤftigte al­lein mit Wolleſpinnen 1500 Perſonen. Dieſen wurden die nahe wohnenden fremden Coloniſten zugeſellt, und für die Weber, welche ſich unter denſelben befanden, zahlte der König aus feiner Cha tulle die Hausmiethe. Einigen der Arbeiter erlaubte der Mas giſtrat, ſich im Walde beim Neuen Kruge anzubauen: daraus entſtand nach und nach ein ganzes Dorf, anfangs Neuendorf, jetzt Wilhelmsdorf geheißen und beſtehend aus 20 Buͤdnern und einem Einlieger.

Jetzt fuͤhlte ſich die Reformirte Gemeinde in den Stand ges ſetzt, ein Haus zu kaufen in der Kurſtraße, das nicht bloß zur Wohnung für ihren zweiten Prediger, ſondern auch zum Schul­und Armenhauſe dienen ſollte, und ſie erhielt die koͤnigliche Be­willigung hierzu 1715. 1751 gewährte der König den Stifts­herren hierſelbſt ein Ordenszeichen, welches aus einem goldenen achteckigen emaillirten Kreuze beſteht und von den ſaͤmmtlichen Majoratspraͤbendarien auf der rechten Bruſt getragen wird.

Beim Beginn des 3ten Schleſiſchen oder J- jaͤhrigen Krie­ges(*) mochte wohl auch in Brandenburg manches Gemüth

) Dies nach einer Nachricht im Katharinenthurme. Vgl. Brandenb. Anz. 1810. St. 37.