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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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mit Beſorgniß erfüllt werden ob der Nähe des Saͤchſiſchen Landes und ob der Menge ſo maͤchtiger Feinde, welche gegen Friedrich II. auftraten. Doch iſt unſere Stadt verſchont geblieben: in ihren Mauern hat ſie keinen fremden Krieger geſehen. Der ſo oft wechſelnde Kriegsſchauplatz blieb meiſt fern; immer neue Sieges­nachrichten ſtaͤrkten den Muth; Handel und Gewerbe bluͤhten ohne Unterbrechung; man ſahe von dem Schrecklichen des Kam­pfes nichts als 1758 einen Transport Verwundeter, der nach der Schlacht bei Zorndorf hierdurch paſſirte. Nur ein einziges Jahr brachte das Getuͤmmel des Krieges, aber bloß auf kurze Zeit, ungewoͤhnlich nahe. Es war im Herbſte 1760, als der feindliche General Tottleben mit einem fliegenden Corps auf Berlin, das nur eine ſchwache Beſatzung hatte, losdrang, waͤh­rend der Koͤnig mit ſeiner Armee fern war. Da verließ der Com­mandant, der Prinz von Württemberg, mit feinem Haͤuflein die Hauptſtadt und zog ſich auf Spandau, verfolgt von den Feinden. Hier eine Belagerung fuͤrchtend, der er nicht gewachſen war, retirirte er auf Brandenburg, wo er ſich mit dem General Huͤlſen vereinigte, der ein Corps von etwa 1600 Mann unter ſeinem Befehle hatte. Alles flüchtete nun vom Lande in die Stadt; denn wo die Preußen fortgezogen waren, folgte augen­blicklich der Feind. Auch der Director der Ritterakademie, bes ſorgt, es moͤchten die ſtreicher den unbewehrteſten Theil Bran­denburgs, den Dom, beſetzen, begab ſich mit den Eleven ſeiner Anſtalt in die Neuſtadt. Verſchiedene Koſtbarkeiten des Stiftes, namentlich das Archiv, brachte man fort nach Magdeburg. Die Thore der Stadt wurden geſperrt. Vor dem Steinthore an der Straße nach Magdeburg fingen an die Preußen Schanzen auf­zuwerfen. Huͤlſen zog langſam durch die Stadt: der abſichtlich verlaͤngerte Zug ſollte den Buͤrgern eben ſo wie den etwanigen feindlichen Spionen eine hohe Meinung von der Staͤrke ſeines Heeres einfloͤßen. Unvorbereitet, eine ſolche unvermuthete Trup penmaſſe zu unterhalten, mußte die Stadt die groͤßten Anſtren­gungen machen. Dennoch gaben ſie gern Alles hin, um nur geſchuͤtzt zu ſein. Ja die Bürger erboten ſich ſelbſt, zur Ver theidigung ihrer Mauern die Waffen in die Hand zu nehmen. Man ſtellte Pikets aus; man ſandte Wachen auf die Thuͤrme.