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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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Jeder blickte von Zeit zu Zeit aͤngſtlich zu ihnen hinauf, ob die ſchwarze Fahne ausgehängt wäre, die die Annaͤherung des Feindes verkundigen ſollte. Da zeigte fie ſich plotzlich am 11. October. Schrecken überfiel Alle. Mitten unter den jammernden und wei­nenden Frauen und Kindern hielt der Prinz; von ihren Klagen übertoͤnt, zeigte er ſchweigend gen Himmel. Und dort war die Rettung beſchloſſen. Die feindliche Schaar, welche ſich genähert, war nur ſchwach: es war ein Streifzug Oſtreichiſcher Huſaren, welche die Gegend recognoſcirten. In den naͤchſten Dörfern richteten ſie großen Schaden an. Sie kamen bis zum neuſtaͤdti­ſchen Schuͤtzenhauſe, mit deſſen Plünderung ſie ſich begnůgten, weil ſie nicht ſtark genug waren, etwas Ernſtliches gegen die Stadt zu unternehmen. Darauf zogen ſie ab. Und am folgenden Tage kam unvermuthet ein Eilbote mit der frohen Nachricht von dem Anrücken des Königs mit dem ganzen Heere. Den 14. Octo­ber verließ auch der Prinz von Württemberg und der General Hülſen unſere Stadt wieder, und Alles kehrte ruhig zu ſeinen gewöhnlichen Geſchaͤften zurück, Dieſer Herbſt machte ſich uͤbri­gens noch dadurch bemerkenswerth, daß er eine ſelten ſo reiche Weinernte lieferte. Denn nicht allein daß die Truppen des Ge­nerals Hülfen Trauben zur Genüge genoſſen hatten: die Wein­meiſter kelterten noch eine ungewoͤhnliche Menge.

Nach Unterzeichnung des Friedens(1763), deſſen Feſt unſere Brandenburger wieder unter der herzlichſten Theilnahme mit Dank­predigten, Illumination u. a. Dingen feierten, rückten als kuͤnf­tige Beſatzung der Stadt zwei Grenadiercompagnieen ein, denen bald darauf das ehemalige Saͤchſiſche, aber bei Pirna gefangene und in Preußiſche Dienſte genommene Regiment von Roͤbel folgte und das von Münchowſche, welches 4 Jahre in Faiferlich= Sftreiz chiſcher Gefangenſchaft geweſen, erſetzte.

An dem allgemeinen Aufſchwung, den nun Preußen durch die weiſe Fuͤrſorge Friedrichs II. in jeglicher Hinſicht, im Ge­werbefleiß, im Handel, in Cultur und Wiſſenſchaft nahm, hatte auch Brandenburg Theil, ſo viel es ſeine Verhaͤltniſſe, ſeine Lage und ſeine Groͤße geſtattete. Insbeſondere gewann die Schifffahrt durch die vielen Kanäle, welche Friedrich an und mit der Havel anlegen ließ oder ſchon hatte anlegen laſſen, der Poſtverkehr aber