Unterhaltung und Wissen suchenden Menschen kulturelle Bedürfnisse zu wecken.
Den Anlaß zu der in der Überschrift enthaltenen Frage gab ein Bericht in der „Schweriner Volkszeitung“ vom 13. Januar 1956. Dort heißt es: „Leider waren nur knapp 40 Einwohner erschienen“. (Gemeint ist die Kreisstadt Perleberg). „In einem Dorf wie Kleinow dagegen wurden 50 Vortragsbesucher gezählt. Müssen wir Städter nicht beschämt sein?“
Soweit der Bericht des Volkskorrespondenten. Ich möchte ihm darin zustimmen, daß es unsere Aufgabe sein muß, immer mehr Menschen für wichtige Fragen und Probleme unseres Lebens zu interessieren. Aber wie undialektisch, wie losgelöst von Zeit und Ort, ohne an das Gestern, Heute und Morgen zu denken, wird einfach festgestellt. Punkt. Aus.
Könnte es nicht so sein, daß diese 40 Menschen in Perleberg den „Sauerteig“ darstellten? Vielleicht sind diese Menschen zum ersten Male in dieser fraglichen Veranstaltung gewonnen worden. Ist es denn nicht bekannt, daß in den Schaufenstern der Kreisstadt die Plakate von sechs und mehr Veranstaltern aushängen, die alle um die Menschen werben? Ist es nicht bekannt, daß zwei Lichtspieltheater, die „Deutsche Konzert- und Gastspieldirektion“, das „Haus der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“, das „Haus der Jugend“ und das von der „IG Land und Forst“ in der Feldstraße laufend zu Veranstaltungen einladen? Außerdem rufen die Parteien und Organisationen, die Sektionen und Kommissionen zu Versammlungen und Sitzungen auf und teilen mit, daß mit dem unbedingten Erscheinen gerechnet wird.
So möchte ich zusammenfassend sagen, die Frage müßte nicht so: 10 in Perleberg und 50 in Kleinow lauten, sondern so: Wie planen wir besser, wie vereinfachen wir, wie sparen wir Geld, indem wir weniger und besser organisierte Veranstaltungen durchführen. Denn — und das ist eine wichtige Erkenntnis aus der politischen Arbeit — Mißerfolge zeitigen weitere Mißerfolge, ebenso wie Erfolge weitere Erfolge erheischen und verlangen, damit Fortschritte erzielt werden.
Auch die Frage wäre einmal zu überlegen, was müssen wir tun, damit wir zu einer schöpferischen Arbeit kommen, also selbständig denken und handeln lernen. Mit solchen und ähnlichen Fragen müßten sich einmal die Kulturschaffenden und die Abteilungen Kultur beim Rat des Kreises und Bezirkes befassen. Vielleicht kommen sie dann zu der Feststellung, daß auch in einem kleinen Kreis eine sehr fruchtbare Arbeit geleistet werden kann, wenn das „Samenkorn“ auf gut vorbereiteten und fruchtbaren Boden fällt. Wichtig ist dabei nur, daß das Samenkorn von den Routinierten nicht zertreten wird.
In der Kulturarbeit herrscht das großartige Wechselspiel von Einzel- und Gemeinschaftswirkungen. Hören und schätzen wir nicht ebenso gern das Orchester wie den Solisten?
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