ALBERT HOPPE
Wissenswertes
V um das Königsgrab Seddin
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Ende des vorigen Jahrhunderts waren trotz des großen wirtschaftlichen Aufschwunges in unserm Vaterlande die Konkurse auf dem Gebiete der Landwirtschaft an der Tagesordnung, auch in unserer Heimat. Die „Caprivi- Zeit“ mit den aufgehobenen Schutzzöllen und der daraus folgenden Überflutung unseres Marktes mit billigen ausländischen Agrarprodukten brach in dieser Auswirkung des Systems der absolut freien Wirtschaft auch manchem heimischen Landwirte und manchem Verarbeiter landwirtschaft- bcher Erzeugnisse das Genick. Das Schicksal der damals bedeutenden Perleberger Wollspinnerei Schulz, über das am anderen Orte berichtet wurde, ist eines der krassesten Beispiele dieser deutschen Agrar-Depression am Ende des 19. Jahrhunderts.
Im Dorfe Seddin war der Bauer Gamlin in harter Bedrängnis. Was tut man nicht alles, wenn man in Not ist und wenn einem das Wasser bis zum Halse steht! Auf seinem Acker befand sich ein großer Hügel, den die Leute nach dem Besitzer wohl auch den Gamlin’schen Berg nannten, der aber für gewöhnlich und seit langer Zeit den Namen „Hinzer-Berg“ trug. Um diesen Berg lebte eine ganz alte Geschichte. Sie berichtete, daß hier im Berge ein König begraben liege, und zwar der König Hinz. Er sei ein Riesenkönig gewesen, ein Hüne, und er ruhe in einem dreifachen Sarge: in einem goldenen, silbernen und kupferne«! Kluge Leute lachten natürlich über so etwas. Auch die Wissenschaft tat das damals und bezeichnete solche Erzählungen als Aberglauben. Aber die Alten blieben bei ihrer Geschichte. Auch unser Bauer Gamlin glaubte ihr aus seiner Not heraus nur zu gern. Bis in die Träume hinein verfolgte ihn die Sage von diesem goldenen Sarg.
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TZ A S33