Heft 
(1956) 3
Seite
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Da war in der letzten Zeit auf der Seddiner Feldmark beim Abfahren und Ausbeuten der vielen Hügel, die meist aus großen Steinmassen bestanden, allerlei zutage gekommen. Alte, meist zerbrochene Töpfe, eigenartige grüne Metallgeräte, Schwerter, Messer und Ringe und mancherlei sonstiges, das in seiner Form recht geheimnisvoll war! Den Pfarrer Raguse in Gulow hatte dies alles veranlaßt, schon am 11. Juni 1888 nach Berlin zu schreiben und darauf aufmerksam zu machen, daß auf der Seddiner Feldmark zu Chausseebauten Steinhügel abgefahren würden, die sich als Grabstätten erwiesen hätten. Auch auf denRiesenhügel und auf die ihn umlebende Sage wies er hin. Allein es geschah wenig. Lediglich wurden ein paar Jahre darauf von Eduard Krause, dem Konservator am Berliner Museum für Völkerkunde, ein paar Grabhügel in den Wickboldschen Tannen gegraben und die Grabinhalte von ihm geborgen, ln seinem veröffentlichten Bericht über diese Grabung erwähnt er auch den sogenanntenHinzerberg und die Geschichte von dem dreifachen Sarg, der in ihm ruhen solle, jedoch nahm er das nicht sonderlich ernst, wie das deutlich aus dem Titel seiner Arbeit hervorgeht:Über Sagen, welche an vorgeschichtliche Gräber an­knüpfen und über anderen Aberglauben.

Unser Bauer Gamlin aber, wie gesagt, nahm das alles sehr ernst. Er saß, wie uns berichtet wird, des Abends gern im Krug, wahrscheinlich um seinen Kummer dort zu ertränken, und da hatten ihn die anderen, die ja wußten, wo dem guten Gamlin der Schuh drückte, bald auf die richtigen Sprünge gebracht. Sie erinnerten ihn daran, daß doch der Sage nach in einem Nebenhügel der goldene Fingerring des toten Königs liegen sollte, und daß man den doch gefunden habe! Und da das ein sehr großer Ring gewesen wäre, sei es klar, daß es sich damals tatsächlich um Riesen ge­handelt habe, und daß darum auch der goldene Sarg und was sonst viel­leicht noch im Hinzerberg an Wertvollem geborgen würde, wahrscheinlich von großer Ausdehnung und darum auch von großem Goldwert sein werde. (Wir wissen heute, daß es sich bei dem im Nachbarhügel gefundenen Ring nicht um einen Fingerring, sondern um einen Armreif handelte und be­dauern nur, daß dieser Reif, der nach Kiekebusch tatsächlich ein goldener gewesen sein soll, wie die meisten der im vorigen Jahrhundert auf der Seddiner Feldmark gemachten Funde verschwunden ist). Die Freunde im Dorfkrug erinnerten den immer wieder gierig lauschenden Gamlin auch daran, daß bereits Wünschelrutengänger aus Pritzwalk auf seinem Hinzer­berg waren und nach dem Goldschatz gesucht hätten. Daß er sich also beeilen müsse, sollten andere ihm nicht eines Nachts zuvorkommen.

Bei dem Bauern Gamlin wurde der goldene Sarg so zur fixen Idee. Sein Berg und der Sarg ließen ihn nicht mehr los. Da der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand, ging er eines Tages an die Arbeit. Er glaubte fest, in dem Berge nicht nur den goldenen Sarg, sondern darüber hinaus auch das goldene Schwert und vielleicht sogar den ebenfalls prophezeiten Geld-

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