den Namen „Obermühle“ führen. Wie der Name andeutet, hat hier vor Zeiten eine Mühle gestanden, die man zum Unterschiede von der Küm- mernitzer Mühle, der „Untermühle“, die stromab liegt, „Obermühle“ genannt hat. Heute klingt kein Geklapper mehr an unser Ohr, längst schon ist die Mühle verschwunden.
Bei „Obermühle“ beginnt der schönste Teil unserer Wanderung. Hinter •dem Feldgraben werden die Ufer des Baches höher, seine Windungen zahlreicher, seine Strömung stärker. Buchen, Eichen, Erlen und Haselgebüsch drängen sich an seine Ufer, sie gedeihen hier in üppiger Fülle. Wir folgern dem Bach auf seiner linken Seite und sind gleich hinter „Obermühle“ in dem tief eingeschnittenen Tal, das sich mehr oder weniger schmal bis nach Kümmernitz hinzieht. Früher war es möglich, über einen schmalen Steg auf das rechte Ufer zu gelangen; denn auch auf diesem Ufer ist eine Wanderung für sportgewandte Naturfreunde möglich. Leider ist der ehemals schöne Pfad auf dem linken Ufer seit dem letzten Kriege von Jahr zu Jahr immer schlechter geworden.
Während wir uns in dem Tal Umsehen, und während wir die mehr als fünf bis sechs Meter abfallende Uferwand betrachten, wollen wir ein wenig über die Entstehung unserer Schweiz plaudern.
Vor vielen Jahrtausenden, als die großen Gletscher der Eiszeit mehr und mehr abtauten und sich nach Norden zurückzogen, wurde unser Fließ geboren. Das Schmelzwasser, das sich im Bendeliner Luch sammelte, suchte einen Abfluß nach dem Urstrom, der seine unermeßlichen Fluten durch das Rhinluch und durch das Dossebruch in das breite Elfotal wälzte. Gewaltige Wassermassen müssen damals ihren Weg durch „unsere Schweiz“ gefunden haben. Durch jahrtausendlange Arbeit des wilden Gewässers wurde sein Bett immer tiefer in den Boden gegraben, bis endlich das schmale, tiefe Tal mit den schroffen Uferwänden entstand, wie wir es heute noch vor uns sehen. Mit der Zeit verlief sich das Wasser, und es blieb nur noch das schmale Bächlein übrig, wie es jetzt in vielen Windungen, eilenden Laufes dahinfließt.
Der Pfad, auf dem wir wandern, ist teilweise von dichtem Gezweig der Bäume und Sträucher eingehüllt. Jetzt weitet sich das Tal, und wir kommen an einen sanft geneigten Talhang, auf dem gewaltige Kiefern ihre dunklen Wipfel erheben. Das weiche Moos ladet ein zur Ra^f — Im Frühling kannst du dich hier an Buschwindröschen und Maiglöckchen erfreuen. Im Sommer wird das findige Auge Walderdbeeren entdecken. Knackst du gern Nüsse, so kannst du im Herbst zahlreiche Haselnüsse finden. — Jenseits des Baches hat sich unter dem Schutz mächtiger Buchen eine Gruppe junger Fichten an das Wasser herangedrängt. Hier ist es, wo das Wild ungestört zur Tränke schreiten kann. Wenn du Glück hast, siehst du zur Sommerzeit die Rehmutter mit ihren Kleinen vorsichtig zu Tal steigen. Schön ist die Wanderung an einem stillen, sonnigen Herbsttag. Der Wald
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