Hohl- und Turteltaube) zählt neuerdings die Türkentaube, deren ursprüngliche Heimat Vorderindien ist. 1930 war die Besiedelung des Balkans bis zur Donau abgeschlossen. 1943 konnte man den ersten Brutnachweis in Wien feststellen. Seit 1945 erfolgte ein rasches Vordringen in Deutschland bis nach Schleswig-Holstein. Seitdem ist sie ln vielen Orten, u. a. in dem benachbarten Karstädt, als Brutvogel festgestellt. Deshalb sei ganz besonders auf diese zierliche Taube aufmerksam gemacht. Männchen und Weibchen sind im Aussehen gleich. Bläulichgrau bis graubraun, dabei die Oberseite mehr bräunlich. Unterseite dagegen bläulich, rosa überflogen. Als besondere Kennzeichen seien erwähnt: Schwarzer Nackenring und ziemlich langer Schwanz. Die Türkentaube hält sich gern an Mühlen, Güterbahnhöferi, Umschlaghäfen und Druschplätzen auf. Sie bewohnt die Parks und Gärten der Städte und Dörfer, soweit alter Baumbestand vorhanden ist. Sie ist meist sehr zutraulich und wurde selbst auf Hühnerhöfen beobachtet. Ihr Vorkommen ist noch sehr zerstreut und lückenhaft, verdient aber stärkste Beachtung. Als besonderes Kuriosum sei mitgeteilt, daß sie zu ihrem Nestbau gern Kupferdrähte mitverwendet. Meldung eines Brutvorkommens wäre dem Verfasser sehr erwünscht.
Daß auch der zeisiggroße Girlitz sich von einem ehemaligen Bewohner des Südens mehr und mehr den Norden erobert hat und nun in fast allen Gärten seine sirrende Stimme hören läßt und seinen fledermausartigen Balzflug zur Schau stellt, ist erwähnenswert. 1921 fand ich in Neustrelitz das erste Nest. Jetzt ist es keine Seltenheit mehr, daß man in Obstgärten oder Parkanlagen ihre Nester finden kann.
Auch unser "Freund „Markwart“, der Eichelhäher, verspricht, zu einem Stadtvogel zu werden. Durch eine Beobachtung, die aus Wittenberge stammt, verdient dies hervorgehoben zu werden. Hier hatte ein Eichelhäher in dem Knick einer Dachrinne eines zweistöckigen Gebäudes in der Perleberger Straße am alten Friedhof seine Kinderwiege errichtet und die Jungen glücklich großgezogen. (Nach Mitteilung durch Herrn Kruse, Wittenberge).
Um Mitteilung von ehemals ausgesprochenen Waldvögeln, die zu Stadtvögeln geworden sind, sei daher an dieser Stelle freundlichst gebeten. Jede Beobachtung dient der wissenschaftlichen Erforschung der Verhaltensweise von Zug-, Strich- und Standvögeln.
Die noch ungelösten Rätsel in unserer „scientia amabilis“, der liebenswürdigen Wissenschaft, wie sie einmal Prof. Dr. Curt Floerieke nannte, gilt es, Stück für Stück ihrer Lösung entgegenzuführen.
Viele Forschungsergebnisse sind uns in den letzten 50 Jahren nicht zuletzt durch die Vogelberingung vermittelt worden. Daß hierbei die freiwilligen Helfer der staatlich anerkannten Vogelwarten, die sogenannten Laienornithologen, einen entscheidenden Anteil haben, sei nur am Rande bemerkt.
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