Heft 
(1957) 9
Seite
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KONRAD KRÜGER, PERLEBERG

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Wenn man heute durch unsere Städte geht, so hört man den Gesang der Schwarzdrossel, auch Amsel genannt, hier und da von dem First eines Hauses oder von einem Straßenbaum herab. Noch vor einigen Jahr­zehnten war die Schwarzdrossel ein scheuer Waldvogel, bis sie sich den Gärten und Parkanlagen an den Stadträndern näherte und nunmehr zu einem ausgesprochenen Garten-, ja sogar Stadtvogel geworden ist. Ihi^j?\ \ klangvoller, flötenreicher Gesang entzückt zwar jeden Naturfreund, doch klagen die Gartenbesitzer zur Erdbeerzeit häufig darüber, daß sie die edlen Früchte anpickt und dadurch Schaden verursacht.

Überblickt man die hohen Linden an den Straßenseiten von Wittenberge und Perleberg, so wird man vor der Belaubung der Baumreihen die großen Reisignester der Elstern erblickt haben. Ihre überdachten Nester, die sie meist in dem dünnen Gezweig in der äußersten Spitze eines Straßen­baumes errichteten, sind nun durch die völlige Belaubung verdeckt, aber das ewige Schackern verrät uns ihre Anwesenheit. Die Elster ist mit ihrem metallisch glänzenden Gefieder und dem stufenförmigen langen Schwanz ein Schmuck unserer Landschaft, wir möchten sie daher nicht missen. Dort aber, wo sie in großer Zahl auftritt und dem Geflügelhalter seine Küken raubt, darf sie nicht geduldet werden. Dadurch, daß sie seit Kriegsende nicht kurz gehalten werden konnte, hat sie sich stark vermehrt und ist nun seit Jahren vom Dornhecken- und Chausseebaumbewohner unserer Landschaft zum regelrechten Stadtbewohner geworden. Sie zählt zwar zu den ungeschützten Vögeln im neuen Naturschutzgesetz, doch ist es wegen ihrer Vorsicht sehr schwer, ihr beizukommen.

Zu einem weiteren Bewohner unserer Städte kann man neuerdings die größte aller Wildtauben, die Ringeltaube rechnen. Das Rucksen des Wildtäubers erklingt des Morgens in der Wittenberger und Wilsnackei^ Straße in Perleberg, und wenn man als aufmerksamer Beobachter der ' Vogelwelt einen Blick in die dort stehenden Linden macht, wird man in einer Astvergabelung bald das kunstlos errichtete Reisignest erblicken können, durch die bei näherem Betrachten die beiden weißen glänzenden Eier hindurchscheinen, wenn man das Glück hat, daß die Taube zur Futtersuche am Morgen das Nest für kurze Zeit verlassen hat. Nach der Erbrütung der Eier durch das Elternpaar hocken die häßlichen noch blinden Jungen im Nest und werden zuerst mit Kropfmilch, später dann mit auf­geweichten Sämereien großgezogen.

Zu der jüngsten Bereicherung unserer drei Waldtaubenarten (Ringel-,

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