WILL A N D E R S , K Y R I T Z
Prignitzer Heimatspiele
In Kyritz sprach man immer viel von einer Bassewitztradition, ließ die Tradition aber mehr und mehr verblassen, und schließlich blieb nur noch ein Maskenball übrig. Zu einem Festspiel reichte es nur 1937 zur 700-Jahr- feier der Stadt. Das damals entstandene Bassewitzspiel von Siegmann wurde auf der Saalbühne auf geführt, an alljährliche Wiederholungen dachte niemand. 1949 regte die damalige Kreissekretärin des Kulturbundes zu einem neuen Bassewitzstück an, das ich nach umfangreichen heimatgeschichtlichen Studien schrieb. 1950 war es fertig, Teile daraus wurden im Bernhard-Kellermann-Haus in Potsdam vor Fachleuten gespielt und Verfasser und Darsteller ernteten große Anerkennung. Bald mußten aber die Proben eingestellt werden. Wir hatten zwar eine sehr gute Besetzung — einer der Darsteller wurde inzwischen Theaterwissenschaftler, ein anderer Regisseur beim Fernsehfunk — aber wir hatten keinen Regisseur, der solche große Aufgabe zu meistern verstand. Wieder vergingen Jahre, in denen von „Bassewitz“ kaum noch gesprochen wurde. 1954 war Alfred Winkel Bürgermeister in Kyritz, und ihm fehlte es nie an Ideen, um so mehr an Leuten, die sie ausführten. Etwa 6 Wochen vor dem traditionellen „Bassewitztag“, dem Montag nach Invocavit, rief er einige Kulturfunktionäre zusammen und entwickelte ihnen seinen Plan, „Bassewitz diesmal ganz groß“ mit einem Festspiel, der „Gefangennahme“ des Raubritters und der Verteilung von Rundstücken an die gesamte Einwohnerschaft zu feiern. Das Spiel einzuüben war natürlich in so kurzer Zeit nicht möglich. Wir inszenierten also die Gefangennahme des Bassewitz an der Stadtmauer. Hierzu erschien der „Bürgermeister“, den ich darzustellen für würdig erachtet wurde, mehr venetianisch als kyritzerisch, die „Bürgerinnen“ in Biedermeier, die Stadtknechte ähnelten z. T. Toreros, und die Handwerksgesellen, die den Bassewitz gefangennehmen sollten, setzten sich Faschingsnasen auf und fanden ihren Hauptspaß darin, den schrecklich dräuenden Darsteller des Raubritters, den riesigen Willi Otte, zu verprügeln. Die Bevölkerung fand das Ganze großartig und meinte, es sei nicht mehr zu steigern. Im nächsten Jahre, also 1955, gingen wir rechtzeitig an die Vorbereitungen. Ich hatte inzwischen viel hinzugelernt und veränderte mein Stück wesentlich. Die Bürger wurden nicht mehr als Spießer, sondern als die fortschrittlichste Klasse der Zeit um 1400 gezeichnet. Das Stück erhielt eine klare Aussage gegen alle Friedensbrecher und den Titel „Der Bassewitz sinnt wieder Krieg“. Auf meine Bitte wurde Walter Timm die Insze-
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