Heft 
(1958) 4
Seite
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bezogen sich meistens ausschließlich auf die Ergebnisse von Forschungs­arbeiten fachlicher Art, stellten immer nur den finanziellen Wert der Sammelobjekte in den Vordergrund und machten die Philatelie so mehr oder weniger bewußt zu einer Angelegenheit derjenigen, die sich eben solche Liebhaberei leisten konnten. Es blieb erst der jüngeren Zeit Vor­behalten, hier einen grundsätzlichen Wandel zu schaffen, namentlich der Zeit nach dem sozialen Umbruch, der sich 1945 in einem großen Teil der Welt vollzog und seine Auswirkungen in der einen oder anderen Form zunehmend noch heute in die zur Zeit noch im kapitalistischen Machtbereich verbliebenen Länder ausstrahlt. Nicht mehr der finan­zielle Wert einer Sammlung ist grundsätzlich maßgebend, sondern der ideelle Inhalt des Sammelobjekts erobert sich mehr und mehr den Vor­rang! Natürlich hat die inzwischen eingetretene innere und äußere Wesens­änderung der Briefmarke selbst zu dieser Entwicklung beigetragen, aber diese Wesensänderung ist doch letztlich eine Folge des politischen und wirt­schaftlichen Weltgeschehens. Man kann aber andererseits den Sammler­vereinen unserer Tage das Verdienst nicht absprechen, gerade in dieser Richtung ihren ganzen Einfluß geltend gemacht und die Auffassung von der Philatelie bei der Allgemeinheit ebenso wie bei den Sammlern grund­legend verändert zu haben. Diese Anerkennung gilt ganz besonders der Arbeit unserer Arbeitsgemeinschaften, die als dem Deutschen Kulturbund angeschlossene Organisation bewußt die Verbindung der Philatelie zum Zeitgeschehen betonen und in den Dienst völkerverbindender Friedens­arbeit stellen. Daß das der richtige Weg ist, der auch der Philatelie zur wirklichen Volkstümlichkeit verhilft, beweist die ständig steigende Zahl der in den Arbeitsgemeinschaften organisierten Sammler jeden Alters und aller Berufe, die in der Gemeinschaft nicht nur die Tauschmöglichkeit sehen, sondern die der Fortbildung, des Erfahrungsaustausches und einer zielbewußten und sinnvollen Kulturarbeit, die jedem außerdem das bringt, was er nach des Tages Müh und Last braucht:

Freude Entspannung Erholung.

Wenn dieser Betrachtung der Titel10 Jahre Arbeitsgemeinschaft Phila­telie Wittenberge vorangestellt wurde, so bedeutet das keineswegs, daß es etwa erst seit dieser Zeit Briefmarkensammler in Wittenberge gibt. Das Briefmarkensammeln ist auch hier eigentlich so alt wie die Briefmarke selbst, ja, Wittenberge hat der Welt sogar einen international anerkannten Experten auf diesem Gebiet geliefert: Carl Lindenberg. DerAltmeister der Philatelie, wie Lindenberg noch heute in Fachkreisen genannt wird, wurde am 1. Mai 1850 in Wittenberge geboren. Der spätereWirkliche geheime Justizrat und Oberlandesgerichtspräsident war der deutsche Briefmarkenforscher von Format, auf den alle ernsthaften Philatelisten noch heute überall stoßen, wenn sie sich mit einer größeren Sache aus früheren Zeiten befassen. Das größte Verdienst Lindenbergs aber ist

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