neben der Herausgabe vieler Forschungsarbeiten über die Briefmarken der früheren deutschen Kleinstaaten der Aufbau der Postwertzeichensammlungen des für alle Welt vorbildlich gewesenen früheren Reichspostmuseums, dessen langjähriger Sachverständigen-Beirat und späterer alleiniger Kurator er war. Zu seiner Ehrung stiftete übrigens der „Berliner Philateiisten-Club“ im Jahre 1905 die „Lindenberg-Medaille für hervorragende Verdienste auf dem Gebiete der Philatelie“, die bis zum Jahre 1943 nur dreißigmal an hervorragende Philatelisten in aller Welt verliehen wurde.
Den ersten Briefmarkensammler-Verein aber gab es in Wittenberge erst, als Lindenberg seine Vaterstadt schon längst verlassen hatte und in Berlin zu Ehre und Ansehen gekommen war. Am 10. Dezember 1904 erst wurde in Wittenberge der erste Sammler-Verein gegründet. Das Protokoll über die Gründungsversammlung beginnt mit folgenden Worten: „Die Unterzeichneten hatten sich heute in der Glüse’schen Wohnung zusammengefunden, um über die Gründung eines Briefmarkensammler-Vereins zu beraten und zu beschließen . . .“ Drei Freunde waren es zunächst nur, nämlich Glüse, Hamann und Niemeier, die hier die Pionierabeit auf- nahmen, aber schon in der nächsten Versammlung, am 11. Januar 1905, waren es bereits 11 Sammler, die sich zusammenfanden, dem Verein den Namen „Verein für Briefmarkenkunde“ gaben, ein „Statut“ aufstellten und bald darauf auch für das „e. V.“ hinter dem Vereinsnamen sorgten. Es ist natürlich recht interessant und aufschlußreich, in den zum großen Teil noch vorhandenen Sitzungsprotokollen und Akten dieses Vereins zu blättern, der mit einer Mitgliederzahl von etwa 15 bis 20 seine Tätigkeit auch über den ersten Weltkrieg hinaus bis ins „tausendjährige Reich“ hinein fortführte und dann, wie alle anderen Organisationen auch, der „Gleichschaltung“ anheimfiel. Aufschlußreich sind die Protokolle, und sie bestätigen das, was im ersten Teil dieser Betrachtung über die Philatelie „von einst“ gesagt wurde. Es waren fast nur gutsituierte Bürger wie Ärzte, höhere städtische Beamte, wohlhabende Geschäftsleute, Lehrer usw. mit noch heute in Wittenberge nicht unbekannten Namen, die sich im Verein zusammenfanden, aber man findet bis in die letzte Zeit der Existenz des Vereins kaum jemand, den man als „Werktätigen“ in unserem Sinne an- sehen könnte. Im übrigen wurde auch über jeden Aufnahmeantrag — ein solcher mußte in jedem Falle schriftlich gestellt werden — schriftlich abgestimmt, offenbar, weil man sich eben doch nicht mit jedermann gemein machen wollte. Man kann aber trotz allem den Mitgliedern dieses entsprechend der damaligen Gesellschaftsordnung geleiteten Vereins die Ehre nicht absprechen, in Wittenberge philatelistische Pionierarbeit geleistet zu haben, die schließlich, wenn auch erst spät, noch Früchte trug, als die Philatelie schon weiteren Kreisen zugänglich wurde. Daß man im Nazi- Reich die gleichgeschalteten und in die „Organisation KdF“ eingegliederten
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