Heft 
(1879) 27
Seite
285
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Grete Minde.

Nach einer altmärkischen (Lhronik.

Von

KHeodor Fontane.

Berlin.

(Schluß.)

ine Viertelstunde war vergangen, als Grete Schritte vom Hofe her hörte. Er war es, und sie lief ihm entgegen.Baltin, mein einziger Baltin. Ach, daß Du nun da bist! Es ist gekommen, wie's kommen mußte." Und nun erzählte sie was geschehen.Ich wußll es. Alles, alles. Und ich muß nun sort. Diese Nacht noch. Willst Du, Baltin?"

Sie waren, während Grete diese Worte sprach, vorsichtshalber, um nicht gesehen zu werden, von dem Mittelsteige her auf die Schattenseite des Gartens getreten, und Baltin sagte nur:Ja, Grell, ich will. Was es wird, ich weiß es nicht. Aber ich sehe nun, Du mußt fort. Und das Hab' ich mir geschworen, so ich's nur einseh', daß Du fortmußt, so will ich's auch, und will mit Dir. Und dann sieh, ich bin ja doch eigentlich Schuld. Denn Du wolltest nicht weg von dem Kind, und ich Hab' Dich überredet und Dich trotzig gemacht und Dich gefragt, wer Dir's denn verbieten wolle?"

Sage nicht nein," fuhr er fort, als er sah, daß sie den Kopf schüttelte. Es ist so. Und am Ende, was thut's? Du oder ich, es ist all eins, wer die Schuld hat. Es mußte zuletzt doch so kommen, fiir Dich und für mich. Auch für mich. Glaub' es nur. Emrentz ist nicht wie Trud, und wir leben jetzt eigentlich gut miteinander. Aber auf wie lang? Es ist ein halber Frieden, und der Krieg steht immer vor der Thür. Eine Stief ist eine Stief, dabei bleibt's. Und soviel sie lacht, sie hat doch kein Herz für mich, und wo das Herz fehlt, da fehlt das Beste."

So willst Du?"

Ja, Grete."

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