Wie ein Schiff entsteht.
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Der „Great Eastsrn", erbaut von Scott Rüssel, vollendet 185d.
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Geschwindigkeit, Sicherheit und Komfort überhaupt nicht vergleichbar. Dennoch bedeuteten diese ersten transatlantischen Dampfschiffe im Weltverkehr einen entschiedenen Fortschritt, da sie den völlig vom Winde abhängigen Segelschiffen durchaus an Leistungsfähigkeit überlegen waren.
Das erste transatlantische Riesenschiff hat ebenfalls der englische Schiffbau erzeugt. Es war dies der von dem genialen Scott Ruffel erbaute, viel genannte und viel geschmähte „Great Tastern", ein Schiff von ungeheuren Dimensionen. Es hatte eine Länge von 207 Meter und besaß eine Wasserverdrängung von 27 400 Tonnen, dagegen indizierte seine Maschine nur 7650 Pserdekräfte und gab dem Schiff eine für damalige Verhältnisse immerhin recht respektable Geschwindigkeit von 14sich Seemeilen die Stunde. Der Bau eines Dampfers von solchen Dimensionen eilte jedoch seiner Zeit bedeutend voraus, und bei dem damaligen, noch in den Kinderschuhen befindlichen transatlantischen Verkehr gelang es nicht, die Anzahl von 4000 Passagieren und 6000 Tonnen Ladung zusammenzubringen, wofür das Schiff berechnet war. Deshalb mußte es einen wirtschaftlichen Mißerfolg erleiden; die technische Bedeutung dieses Baues steht jedoch unbestreitbar fest, besonders wenn man bedenkt, mit welchen primitiven Mitteln mau damals arbeitete.
Die deutsche Schnelldampferfahrt beginnt erst mit dem Jahr 1881, in welchem der Norddeutsche Lloyd in Bremen mit dem Bau der „Elbe" den Anfang machte. Tie „Elbe", ebenfalls in England gebaut, war der erste Schnelldampfer, der von seinem Heck die deutsche Flagge wehen ließ. Schon fünf Jahre später besaß die deutsche Handelsflotte mit den, dem Norddeutschen Lloyd gehörigen Schnelldampfern „Elbe", „Aller", „Saale", „Trave" und „Lahn" fünf Schiffe, die 16 Meilen und darüber in der Stunde zurücklegten, wahrend die Engländer nur vier besaßen. Seit dieser Zeit hat der Bau von Schnelldampfern fortwährend zugenommen. Die 1855 gegründete Hamburg-Amerikanische Paketfahrt-Aktien-Gesellschaft baute 1889 bis 1891 die „Auguste Viktoria", „Columbia",
„Normannia" und „Fürst Bismarck", vier ganz vorzügliche Ozeanrenner, die den Fahrzeugen des Norddeutschen Lloyd durchaus nicht nachstehen. Augenblicklich zählt die deutsche Handelsflotte fünfzehn Schnelldampfer, von denen dem Norddeutschen Lloyd elf und der Paketfahrt vier gehören. Der größte und schnellste deutsche Dampfer ist augenblicklich der auf der Werft des „Vulkan" bei Stettin für Rechnung des Norddeutschen Lloyd erbaute „Kaiser Wilhelm der Große", in diesem Blatte in Heft 11 und 12 des vorigen Jahrgangs vorgeführt. Dieses kolossale Schiff, das mit allen Errungenschaften der modernen Technik ausgerüstet wurde, steht dem „Great Tastern" an Größe wenig nach, übertrifft aber an Geschwindigkeit und prachtvoller Ausstattung alles Frühere.
Die Konstruktion und den Ban eines solchen modernen Ozeanriesen wollen wir jetzt genauer betrachten. Unsre alten hölzernen Kriegs- und Handelsfahrzenge wurden ohne viel Kopfzerbrechen durch Rechnen und Konstruktionen erbaut. Wenn sich einmal herausstellte, daß etwas nicht recht paßte, so konnte mail im Notfälle mit der Axt nachhelfen. Dies geht natürlich bei unfern modernen Stahlschiffen nicht. Für jedes zu erbauende Fahrzeug werden äußerst genaue Zeichnungen angefertigt, die nach wissenschaftlichen Prinzipien berechnet werden müssen. Der Schiffbau ist eben aus einem Handwerk eine Wissenschaft geworden, welche an unfern technischen Hochschulen gelehrt wird.
Von der guten Konstruktion eines großen überseeischen Schnelldampfers verlangt man folgende Haupteigenschasten: Schnelligkeit, Festigkeit und Sicherheit, Unsinkbarkeit, Stetigkeit und Wohnlichkeit.
Um eine bestimmte geforderte Geschwindigkeit bei gegebenen Dimensionen zu erzielen, braucht man Vorhallen Dingen eine Maschine mit einer genügenden Anzahl von Pferdestärken, die je nach der Form des Schiffes größer oder kleiner sein kann. Ein plumpes Schiff wird natürlich eine stärkere Maschine nötig haben, um dieselbe Geschwindigkeit zu erreichen wie ein scharfes schlankes, weil der Widerstand des Wassers bei diesem leichter überwunden
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