Heft 
(1897) 11
Seite
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Milwaukee, die deutscheste Stadt Amerikas.

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Glocken-Tretwerk.

gewendet. Das erste derselben hat der deutsche Schmiede-

sowohl des gesamten Landes als auch der einzelnen Städte. Neben Chicago kommt hierbei nament­lich Milwaukee in Betracht, die deutscheste Stadt Amerikas. Vor 65 Jahrei: noch ein Jndianerdors, ist es heute eine Stadt non 250 000 Einwohnern, ausgerüstet mit allem Komfort der Neuzeit.

Der Name Milwaukee oder Mil- waukii ist indianischen Ursprungs (Mahn-a-wan-kie Millowaukee) und bedeutet , reiches, schönes Land. Nach einer Sage soll der Name von einer nur hier gefundenen WurzelMahn­wan" herrühren, deren sich die Indianer zur Arzneibereitung be­dienten. Ihr wurde eine so große Heilkraft zngeschrieben, daß die Chippewah-Indianer am Oberen See für ein fingerlanges Stückchen dieser Wurzel ein Biberfell gaben.

Die Sage berichtet, daß dort, wo heute der Marktplatz liegt, ein den höchsten Gottheiten geweihter Waldberg sich erhob. Hier kamen die Jndianerstümme, auch solche, die sonst einander feindlich gegen­überstanden, in Friede zusammen, um ihren religiösen Gebräuchen zu huldigen. Vor Eröffnung der heiligen Feste führten sie den Pau-wau, den großen Friedenstanz, auf, und nach Beendigung desselben nahm jeder ei» dem heiligen Berge entstammendes Andenken mit heim, um es im Wigwam als Amulett zu bewahren und zn verehren. Dereinst am

Fuße dieses Berges, ai: den Ufern des Mahn-a-wan-kie begraben zn werden, war der sehnlichste Wunsch vieler Indianer, und so erklärt man die Auffindung einer außergewöhnlich großen Menge von indianischen Ge­beinen wie die vielen, noch heute vorhandenen indianischen Gräber.

Neuere Forscher nehmen allerdings an, daß die Gegend um Milwaukee schon lange vor der Zeit der Indianer von andern Völkerschaften bewohnt worden ist. Aus künstliche^Gelüute im Bayreuther Wagnertheater besteht einzelnen der großen Hügelgräber fand man Eichenstninpfe, Bronzeröhren, die ans England geliefert werden.) ; die 250 bis 310 Ringe zählten, bis zu fünf Fuß im

' ' .Durchmesser hatten und somit für ein außerordentlich

hohes Alter dieser Erdwerke zeugen.

Der Staat Wisconsin wurde schon vor 200 Jahren von französischen Missionaren und Pelzhäudlern durchstreift, doch kan: erst Ende des vorigen Jahrhunderts der erste Weiße zu dauerndem Aufenthalte in das Jndianerdors an: Mahn-a-wau-kie, um mit den Indianern einen Tausch­handel zu pflegen; ihm folgten dann am Anfang unsers Jahrhunderts andre in gleicher Absicht. Damals lebte ein Häuptling der Pottawatomies mit Namen Onauyefa (das alte Mehl), der in: Gegensatz zu den wilden Indianern von Mahn-a-wan-kie als ein freundlicher, den Weißen

gut gesinnter Mann geschildert wird. Er erreichte ein

sehr hohes Alter, und mancher alte Ansiedler, wie

beispielsweise der alte Stein, der erst letztes Jahr ge­storben ist und auf den ich noch zurückkomme, hat ihn

gut gekannt.

Bis zum Jahre 1818 kamen äußerst selten Weiße in diese Gegend, bis am 14. September desselben Jahres Salomon Juneau, der als der eigentliche Begründer van

meister Gottlieb Sachsenberg für die St. Jakobikirche in Serno (Kreis Zerbst) im Jahre 1831 hergestellt; es ist sehr genial konstruiert und besteht aus drei Toppetstäben in der Schwere von 20, 30 und 40 Pfund, die vermittelst eines Triebwerkes durch Hümmer angeschlagen werden. (Irrig ist übrigens die Meinung, Richard Wagner habe sich zur Wiedergabe des Glockengeläutes in:Parsival" eines derartigen Sachsenbergschen Stahlstabwerkes bedient;

das ° ° ...

aus

Einen eigentümlichen Ersatz für die Glocken bilden die Knarren und Ratschen, deren man sich in katholischen Gegendei: während der letzten Tage der Karwoche bedient. Vom Gründonnerstag bis znm Samstag vor Ostern muß nämlich in der katholischen Kirche jeder Glocken- und Schellenton schweigen (die Glocken sind nach Rom ge­flogen," erzählen sich im Rheinlande die Kinder,wo sie vom Papste mit Weck und Milch gespeist werde,:"); Kinder- scharen ziehen alsdann umher und laden durch den Ton der hölzernen Lärmwerkzeuge die Gläubigen znm Gottesdienste ein.

Mmilktt, dic dcilkMe AM Amcrikürs.

Von

Edmund Goes.

(Siehe das Porträt und die Abbildungen Seite 186 und 187.)

M?n der neuere!: Geschichte der westlichen und nordwest- liehen Staaten von Nordgmerika bildet ein besonders interessantes Kapitel das ungemein rasche Emporblühen