Heft 
(1897) 11
Seite
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Weber Land und Weer.

und Weise, wie dies geschieht, ergiebt sich in anschaulicher Weise aus unsrer beigesügten Zeichnung. Das Anschlägen der Glocke mit dem Hammer kommt stellenweise (wie im französischen Baskenlande) als Landesbrauch vor. Häufiger begegnet man dem sogenannten Beiern, das heißt dem An­schlägen der in Ruhelage verharrenden Glocke durch den Klöppel, wie es in Deutschland vielfach die Stelle des Festgelüutes (namentlich an Kirchweihen) und in Frankreich strichweise die des Totengeläutes vertritt.

Den Beruf der Glocke und ihre Bedeutung . für die Wechselfälle des menschlichen Lebens hat Schiller in seiner wunderbaren Dichtung so herrlich geschildert, daß darüber kein Wort mehr zu sagen bleibt. Im Bilde führen wir den Leser nur in das Stübchen des Turmwärters ein, dem es einst oblag, mit der Glocke das Sturm- und Feuerzeichen zu geben.

Eine eigentümliche Verwendung fanden die Glocken in den einst weitverbreiteten und in den Niederlanden heute noch außerordentlich häufig begegnenden Glockenspielen. Bei ihnen schlug man ursprünglich die Glocken in derselben Weise wie bei dein schon erwähnten Beiern an: der Klöppel jeder einzelnen Glocke wurde durch eine besondere Vor­

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richtung gegen eine bestimmte Stelle des Glockenrandes und von diesem zurück gegen die entgegengesetzte geschnellt. Die Bewegung vermittelte für jede Glocke ein Seil, das durch den Fußboden in ein unteres Stock­werk ging und dort mit einem hölzernen Tritt verbunden war, der durch Faust oder Fuß in Bewegung gesetzt wurde. Diese ur­sprüngliche mangelhafte Mechanik mich bald künstlicheren Vorrichtungen: an die Stelle der Seile traten Drähte, und statt der Klöppel ließ man federnde Hämmer von innen und von außen an die Glocke schlagen, so daß der Mechanismus dem der Klaviere sehr ähnlich wurde. Endlich brachte man das Glockenspiel mit Walzen und Uhrwerken in Verbindung, wodurch die Kunst des Glockeu- spielers oderGkockenisten" entbehrlich wurde.

Zu den denkwürdigen Glocken gehören zunächst einige durch ihre Größe sich aus- zeichnende, wie die größte der Welt, der Zar Kolokol" (Glockenkönig) im Kreml zu Moskau im Gewicht von 12 327 Pud (201916 Kilogramm), eine Glocke, von der es aber nicht gewiß ist, ob sie je gekantet worden. Die zweite Stelle behauptet die große Glocke zu Peking, 1250 Zentner schwer, die dritte wiederum eine russische, die Bolschoi" (die Große) genannte, gleich­falls in Moskau. Eine zugleich durch ihr Alter, ihre Größenverhältnisse und ihre sonstigen Eigenschaften sich auszeichnende Glocke ist die 1497 von Gerhard Won de Campis gegosseneGloriosa" im Dom zu Erfurt, 275 Zentner schwer. Die größte aller in Deutschland gegossenen Glocken

Domes zu

Köln, im Gewichte von 540 Zentnern. Sie wurde 1875 nach dreimaligem Umguß von Hamm in Frankenthal aus dem Materiale eroberter französischer das Kaiser Wilhelm I. zu diesem Zwecke zur Verfügung ge­stellt hatte, hergestellt.

Bis in die neueste Zeit wurden die Glocken nur aus Kupfer und Zinn hergestellt; neuerdings fertigt inan sie auch aus Gußeisen (Spiegel­eisen) und erfolgreicher noch aus Guß­stahl an. Zum Ersätze der Glocken hat man auch wohl Stahlstabgeläute wi­

rst die Kaiserglocke d^

Geschütze

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Feuer- und Sturmglocke.